Before Watchmen: Moloch

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DC Comics

In Watchmen bekommt jeder der sechs Protagonisten eine Vorgeschichte, aber keiner der Schurken. Der einzige, der herausgestellt wird, ist Edgar William Jacobi alias Moloch. Er ist aber mittlerweile ein geläuterter Verbrecher, der seine Zeit im Gefängnis abgesessen und jetzt nur noch mit dem Krebs zu kämpfen hat. Rorschach verhört ihn nach dem Tod des Comedian und erfährt, dass der Comedian Jacobi kurz zuvor aufgesucht hat, um ihm von seiner Entdeckung zu erzählen (Watchmen #2). Bald darauf wird Jacobi selbst ermordet – und Rorschach dafür verantwortlich gemacht. Beide werden zu Bauernopfern in Adrian Veidts Plan (Watchmen #5).

In Before Watchmen bekommt Moloch einen Zweiteiler gewidmet. Der erste Teil etabliert ihn als tragischen Charakter: Hässlich zur Welt gekommen, halten ihn seine Eltern mehr am Leben als dass sie ihn aufziehen, Gleichaltrige verstoßen ihn. Als junger Mann entdeckt er den Zirkus für sich und eifert einem Illusionisten nach. Aus Rache für eine Demütigung bringt er einen Jungen um und legt die Leiche ins Bett eines Mädchens, das ihm falsche Hoffnungen gemacht hat.

Gott der Menschenopfer

Edgar Jacobi beginnt eine Karriere als Zauberer „Moloch the Mystic“. Der Name Moloch stammt von einem kanaaitischen Gott ab, dem Kinder geopfert wurden. Genau genommen wurden damit zuerst die Brandopfer bezeichnet, bevor später daraus ein Gottesname wurde. „Moloch“ bedeutet sowohl ‚König‘ als auch ‚Schande‘ und er wird heute zivilsationskritisch auf Großstädte angewandt. In Jacobis Fall steht er für den Südenpfuhl, den er später betreibt. Moloch wird in Watchmen damit stellvertretend für alle anderen Schurken, gegen die die Superhelden kämpfen.

Da Jacobis Einkommen nicht ausreicht, verdient er sich etwas mit Banküberfällen und später auch Drogen hinzu. Die einzige Liebe, die ihm zuteil wird, muss er sich kaufen. Die Minutemen bringen ihn hinter Gitter, er bricht immer wieder aus, bis Dr. Manhattan dem ein endgültiges Ende bereitet. Für Moloch wird Dr. Manhattan ein Schock: Er ist kein Gegner, der Tricks benutzt, er ist allmächtig wie ein Gott. Von ihm gibt es kein Entkommen. Der selbsternannte Gott Moloch findet seinen wahren Meister und beendet seine Karriere.

Erlösung durch Ozymandias

Aber dann trifft er noch auf einen anderen Gott: Ozymandias. Adrian Veidt holt ihn vorzeitig aus dem Gefängnis, verschafft ihm einen Job in seiner Firma, lässt ihn Zigaretten an Janey Slater liefern und lässt beide an Krebs erkranken. Veidt verhält sich von Anfang an als Messias, der wie der Jesus von Rio die Arme ausbreitet und sagt: „Let me save you.“ Jacobi erweist sich als treuer und ergebener Diener.

Nachdem Jacobi unvorhergesehen vom Comedian auffgesucht wird, weiht er Veidt ein und Veidt tötet den Comedian. Dann erklärt Veidt Jacobi seinen Plan, um ihn als notwendiges Opfer für den Weltfrieden hinzustellen, als Erlöser nach dem Vorbild Christi. Veidt nimmt dabei die Rolle Gottes ein.  Jacobi ist überzeugt, denn der Plan ist für ihn „the most amazing magic trick in history“.  Er nimmt bereitwillig seinen Tod für den höheren Zweck an – und büßt damit auch für die Sünden, die er begangen hat.

Opfertod bringt Lebenssinn

Der einstige Opfergott Moloch wird selbst zum Opfer im christlichen Sinne umgedeutet, während Veidt sich als Gottmensch Ramses sieht und als Jesus inszeniert. Der eigentliche allmächtige Gott, Dr. Manhattan, wird später in Watchmen entmachtet, weil er die Notwendigkeit seines Nichteingreifens erkennt und sich zurückzieht, um eine neue Schöpfung zu beginnen.

Damit J. Michaels Straczynskis Vorgeschichte für Moloch funktioniert, wird getrickst: Eduardo Risso zeichnet den Charakter besonders hässlich, mit viel längeren Ohren als es Dave Gibbons tut. In Watchmen wirkt er wie ein normaler Mann, bloß mit leicht gespitzten Ohren, in Before Watchmen wird er zum kauernden Gnom mit unförmigem Kopf.

Durch die tragische Vorgeschichte läuft alles sehr geradlinig und spannungsarm auf eine Existenz am Rande der Gesellschaft hinaus, abgelehnt und ungeliebt wird Moloch zum prädestinierten Versager, der sich am Ende naiverweise ausnutzen lässt, aber darin doch Erlösung erfährt, indem sein Leben und noch viel mehr sein Tod einen höheren Sinn verliehen bekommen. Diese Wendung rettet auch dieses Prequel, indem es die Figur schließlich um eine interessante Facette bereichert.

Ein Gedanke zu “Before Watchmen: Moloch

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