Before Watchmen: The Curse of the Crimson Corsair

Crimson Corsair

DC Comics

Watchmen erzählt nicht nur eine Superhelden-, sondern auch eine Piratenstory: Der Junge Bernie liest ein Comic namens Tales of the Black Freighter, dessen Geschichte „Marooned“ von einem Mann erzählt, der einen Piratenangriff überlebt und von einer Insel aus zu seiner Heimatstadt segelt, um seine Familie vor den Piraten zu retten. Dabei wird er selbst wahnsinnig und zum Mörder. Die Binnenhandlung aus Tales of the Black Freighter wird zu einer Art Kommentar der Haupthandlung, beide greifen komplex ineinander.

In Before Watchmen erzählen Len Wein und John Higgins eine Piratengeschichte in ähnlichem Stil: Curse of the Crimson Corsair. Der Comic ist aber kein roter Faden, der sich durch die Prequels zieht, sondern wird über die gesamte Reihe mit je zwei Seiten im Anhang der Hefte verteilt.

Der Fluch des Fliegenden Holländers

Der Held ist Gordon McClachlan, ein britischer Offizier der Royal Navy, der im Jahr 1771 auf dem Schiff Pendragon angeheuert wird. (Pendragon bedeutet Drachenhaupt und ist der Beiname von Uther, dem Vater von König Artus.) Als sich McClachlan über die Misshandlung eines Kameraden durch den Captain beschwert, wird er an eine Kanone gefesselt und ausgepeitscht, doch dann greift ein spanisches Schiff an.

McClachlan geht über Bord und wird später von der Besatzung eines Geisterschiffs gerettet: dem Flying Dutchman (Fliegender Holländer). Der Anführer der Geisterpiraten, Crimson Corsair, erklärt dem Helden, dass dieser nie wieder von dem Schiff herunterkommt, es sei denn er besorgt den goldenen Ohrring eines ungeborenen Kindes und die Tätowierung von der Brust eines toten Mannes. Außerdem gibt es noch eine dritte Bedingung, aber die verrät er ihm nicht. Um sicherzugehen, dass er zurückkehrt, raubt ihm der Crimson Corsair seine Seele.

Die Geisterpiraten werfen McClachlan über Bord und er muss sich danach gegen französische Sklavenjäger und spanische Sklavenhändler zur Wehr setzen. Er sieht, wie Afrikaner entführt, erschossen und misshandelt werden, wie sie erkranken und über Bord geworfen werden. Dann findet er ein Kind mit einem Ohrring und rettet es vor dem Ertrinken. An Land, irgendwo in Lateinamerika, wird er von Eingeborenen bedroht, die ihn opfern wollen. Sie überlegen es sich aber anders und beschaffen ihm die Haut, die er benötigt, indem sie den Spanier häuten, der hinter ihm her ist. Doch der weigert sich zu sterben und es kommt zu einem grotesken Kampf. Am Ende stellt McClachlan fest, dass er selbst zum Crimson Corsair geworden ist oder auch schon immer dieser war.

Eigenständige Story mit symbolischen Bezügen

Len Wein imitiert den pathetischen Stil der Tales of the Black Freighter, steigert sogar den Wahnsinn und die Grausamkeit, lässt eine brutale und furchterregende Sequenz auf die nächste folgen. John Higgins aber löst sich von Dave Gibbons′ Zeichenstil, indem er sehr realistisch und zeitgemäß zeichnet und auch die Farben passt er nicht, dem knalligen Retro-Comic-Stil an, sondern hält die Palette weitgehend grau. Bis auf deutliche Parallelen in Motiven wie das Geisterschiff und ein Angriff von Haien bleibt die Story weitgehend eigenständig.

Aber darin besteht das Problem: Denn während die Tales of the Black Freighter in Watchmen integriert waren, sogar eine eigene Hintergrundgeschichte in Watchmen #5 bekamen, stehen sie hier getrennt von den übrigen Prequels und bezieht sich auch nicht auf sie. Allerdings gibt es einige ähnliche Symbole: Das Doppel-C auf der Stirn des Crimson Corsair erinnert an das Rumrunner-Logo und die Symmetrie von Rorschachs Maske, der Ring oder Kreis kehrt auch in Watchmen immer in verschiedenen Formen wieder, die Haut des Spaniers kann man als Kostüm interpretieren, durch die auch die Superhelden erst zu solchen werden und damit auch einen Fluch auf sich nehmen.

Mit der Enthüllung am Ende, dass der Corsair nie McClachlans Seele genommen habe, sondern dass sie ihm auf seiner Reise verloren gegangen sei und er deshalb zum Corsair wird, schließt sich (wie auch bei Watchmen immer wieder) ein Kreis und es wird die Tragödie deutlich: Wer versucht, seinem Fluch zu entkommen, bringt ihn erst recht über sich. So ergeht es auch dem Helden aus den Tales of the Black Freighter, aber Ozymandias am Ende von Watchmen, wenn er zum Massenmörder wird, um einen größeren Massenmord zu verhindern. Und schließlich wird auch Rorschach zum notwendigen Opfer und zum Fluch für Veidts Plan.

>> Before Watchmen: The Curse of the Crimson Corsair komplett bei DC Comics.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s