Watchmensch (2009)

watchmensch

Brain Scan Studios

Zum Kinostart des Watchmen-Films kam im März 2009 Watchmensch heraus, eine Comic-Parodie und Satire auf die Geschichte hinter Watchmen. Eigentlich sollten die Rechte an der Serie an Alan Moore und Dave Gibbons zurückkehren, sobald sie nicht mehr gedruckt wurde, aber weil das nie der Fall war, blieben die Rechte bei DC Comics. Man kann sagen: Der Erfolg von Watchmen war Alan Moores Fluch. Daher konnte DC auch gegen seinen Willen eine Film-Adaption produzieren und Prequel-Comics herstellen lassen.

Watchmensch, von Rich Johnston geschrieben und von Simon Rohrmüller gezeichnet, umfasst nur 24 Seiten in Schwarzweiß und orientiert sich grob an der Story und sehr genau am Stil seiner Vorlage, nur dass es dabei nicht um Krieg und Frieden oder die Conditio humana geht, sondern um die Missstände in der Comicbranche.

Es beginnt mit einem Smiley-Button im blutigen Rinnstein, nur dass dieser Smiley eine Kippa und Schläfenlocken trägt. Der Erzähler und Held ist Spottyman, ein Rorschach-Verschnitt, der aussieht wie ein orthodoxer Jude (aber keiner ist). Er untersucht den Mord an Krusty dem Clown (Krustofski). Er findet in seinem Schrank ein „Black Dossier“ und konfrontiert die Anwälte Nite Nurse (statt Nite Owl), Ozyosbourne (statt Ozymandias) und Silk Taker (statt Silk Spectre) damit.

Das Black Dossier ist eine Anspielung auf den gleichnamigen Sonderband der League of Extraordinary Gentlemen. Moore hat die Serie zunächst bei Wildstorm verlegen lassen, einen Verlag, den DC dann gekauft hat. Das Black Dossier ist noch bei DC erschienen, aber der Verlag hat es aus fadenscheinigen Gründen nicht außerhalb der USA verkaufen lassen. Glücklicherweise hat Moore die Rechte an der Serie behalten dürfen, aber er fühlte sich von DC verfolgt und bestand darauf, nichts mehr mit dem Verlag zu tun zu haben. In Watchmensch wird diese Regelung die „ABC-Firewall“ genannt (nach Alan Moores Label America′s Best Comics).

Spottyman

Spottyman statt Rorschach.

Der Drahtzieher der Verschwörung in Watchmensch ist Dr. Manhattan „Mr. Broadway“, ein Mann im Anzug ohne Hose und mit blauer Haut, seit ein Farbeimer auf ihn gefallen ist. Er arbeitet, bzw. steht für DC Comics und hat 1938 von Jerry Siegel und Joe Shuster die Rechte an Superman für 130 Dollar gekauft und später Alan Moore um seine Rechte betrogen, auch für dessen V for Vendetta. Er lässt den Watchmen-Film produzieren und ist nur interessiert am Merchandise, will aus Rorschach ein Happy Meal machen. Spottyman versammelt die anderen und es kommt zum Showdown in Ozyosbournes Haus in der Antarktis.

Mr. Broadway

Firewall-System: Mr. Broadway erklärt seinen Plan.

Am Ende wird ein riesiger Alan-Moore-Klon zur Watchmen-Premiere nach New York teleportiert, wo er nicht nur viele Menschen tötet, sondern auch einen Sinneswandel von Comicverlagen im Umgang mit den Autoren und Zeichnern herbeiführt: Superman wird gemeinfrei, Marvel zahlt an Jack Kirbys Erben enorme Tantiemen, Len Wein wird für Wolverine entschädigt, Steve Ditko vom Vatikan heiliggesprochen. Doch nicht Ozyosbourne ist dafür verantwortlich, sondern Spottyman. Er wollte den Wandel in der Branche herbeiführen. Die anderen wenden sich daraufhin der Musikbranche zu, wo angeblich den Anwälten die Rechte gehören.

Mr. Broadway

Blaue Farbe geht nie wieder raus: Die Entstehung von Mr. Broadway.

Watchmensch ist eine böse Abrechnung mit den Machenschaften großer Comic-Verlage, es steckt voller Anspielungen auf die Popkultur und hat auch deutliche Anleihen bei den Simpsons: Der Zeitungshändler Bernie wird zum „Comic Book Guy“, der sich weigert, Mangas zu verkaufen. Am Ende greift ein Seymour-artiger Comicleser zu Watchmensch und der Kreis schließt sich.

Leider ist der Comic vergriffen und auch nicht digital bei Comixology verfügbar. Eine Vorschau gibt es im Internet Archive.

Alan Moore

Alan Moores Klon verwüstet New York.

Ein Gedanke zu “Watchmensch (2009)

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