Doomsday Clock #4: Walk on Water

DC Comics

Rorschach mag Pancakes. In Wayne Manor hat er Batmans Pancakes aufgegessen. Später hat ihm Alfred welche zum Frühstück gemacht. In Arkham bleibt ihm nur noch die Erinnerung daran. In der Kantine bekommt er bloß unappetitlichen Brei serviert. Ein Inasse bietet ihm Schutz an. Rorschach revanchiert sich, indem er ihm ein Stück Gesicht abbeißt.

In Rückblenden wird klar, dass Rorschach eigentlich Reggie Long ist, Sohn von Dr. Malcolm Long, des Therapeuten, der einst Walter Kovacs im Gefängnis behandelt hat (Watchmen #6). Reggie ist seit der Kindheit ein schüchterner Einzelgänger. Sein Vater war meist mit Arbeit beschäftigt. Als sein Vater Kovacs als Patienten annimmt, ist Reggie im College. Seine Mutter lässt ihn nichts von den Eheproblemen wissen.

Die Welt als Wille und Vorstellung, oder: Pampe statt Pancakes.

Als der Angriff auf New York bevorsteht, fährt Reggie zu seinen Eltern. Noch bevor er sie erreichen kann, wird er von Ozymandias′ Massenmord schwer traumatisiert. Eingewiesen in eine psychiatrische Anstalt will er sich umbringen. Auf dem Dach begegnet er Byron Lewis, dem ehemaligen Mothman, der sich vor ihm nackt mit seinen Flügeln in die Luft schwingt und das Weite sucht.

Atompilz im Gesicht.

Später wird Byron wieder eingefangen und zurückgebracht. Sie werden Freunde und er bildet Reggie in den Kampftechniken der Minutemen aus. Als Veidt verdächtigt wird, für den Massenmord verantwortlich zu sein, legen sie ein Feuer in der Anstalt und fliehen gemeinsam. Byron macht aber kehrt und begeht Selbstmord im Feuer. Er hinterlässt Reggie Rorschachs Maske und ein Ticket in die Antarktis. Reggie schlüpft in die Rolle und fährt (mit dem Schiff Percy Busshe, eine Anspielung auf Ozymandias-Autor Shelley) in die Antarktis nach Karnak, um sich an Ozymandias zu rächen. Aber dort findet er einen reumütigen Gegner vor, der ihm sagt, er sei todkrank und wolle die Welt retten.

Geschichte wiederholt sich: Matthew Mason behandelt Reggie Long, wie einst sein Vater Walter Kovacs zu behandeln versuchte.

In Arkham wird Reggie als Unbekannter, „John Doe“, geführt. Er wird behandelt von einem gewissen Dr. Matthew Mason, der sich anzieht wie einst Malcolm Long. „Bloated. Arrogant. Nothing like Dad“, sagt Reggie und redet nicht mit ihm. Tatsächlich wiederholt sich auch hier die Geschichte, denn ähnlich hat sich auch Rorschach über Malcolm Long geäußert.

Später wird klar, dass der Therapeut Batman in Verkleidung war. Reggie flieht zusammen mit einer „Jane Doe“, die sich später als Saturn Girl, Mitglied der Legion of Super-Heroes, herausstellt. Sie hat in DC Universe Rebirth ein Sandwich gestohlen, ohne zu wissen, dass man dafür bezahlen muss und wurde dafür eingesperrt. Nachdem sie behauptete, eine Freundin von Superman zu sein, wurde sie nach Arkham gebracht.

John und Jane Doe: Reggie Long und Saturn Girl

Sehen, was man sehen will

Das Leitmotiv des Kapitels ist das Licht. Zweimal wird in dem Kapitel gezeigt, wie in Arkham vor Reggies Zelle eine Mücke zu einer Lampe fliegt und verbrennt. Beim ersten Mal zitiert Reggie seinen Vater: „We’re all searching for enlightenment. Purpose. Meaning. Answers.“ (S.3-4)

Tödliche Erleuchtung.

Das blaue Licht der Lampe findet sich später wieder im blauen Licht des Fernsehers, in dem Reggie zum ersten Mal einen Atompilz sieht, dann bei der Ankunft des Aliens, im Mondlicht, das in seine Zelle scheint und schließlich im Mond, auf den Byron Lewis in Mottengestalt zufliegt.

Die Motte folgt dem Licht: Byron Lewis fliegt als Mothman.

Mit dem Licht hängt auch das Sehen zusammen. „I see what I want to see“, denkt er in der Kantine. „What do you see?“, wird Reggie bei seinem ersten Aufhenthalt in der Anstalt gefragt, als ihm die Tafeln eines Rorschachtests vorgehalten werden. Zuerst will er nicht hinsehen, denn das Muster erinnert ihn an seine toten Eltern. Dann helfen ihm Byrons Worte, der ihm gesagt hat, wie er sich seinen Flug vorstellt: „I visualize it. I picture it right up here. I see what I want to see. And what I see is what is.“ Daraufhin fliegt er dem Licht des Mondes entgegen – wie eine Motte. Und als Reggie sich daran erinnert, sagt er, er sehe auf der Rorschach-Tafel eine Motte. Nachdem er zweimal einen Pfleger angegriffen hat, sagt er zu dem Muster, bei dem Rorschach den Hund mit dem gespaltenen Schädel gesehen hat (Watchmen #6): „Rorschach.“

Reggie sieht Rorschach.

Als Veidt verdächtigt wird, ist Reggie von dessen Schuld überzeugt: „Did it. Anyone can see.“ Beim Ausbruch aus der Anstalt hört Byron das Rufen des Lichtes, das vom Feuer ausgeht. „I see it“, sagt er. Aber als Reggie fragt, was er sehe, bekommt er keine Antwort. Byron, wieder als Motte, verbrennt wie die Mücke. In seinem Abschiedsbrief heißt es: „Everything that brought us together may be a string of random events or it may be part of a grand design. But the truth is relative. What you see is all that matters.“

Die Motte folgt dem Feuer: Byron Lewis wählt den Tod.

Diese Worte wirken fatal. Denn danach sieht Reggie die Welt durch Rorschachs Maske: Schwarz und weiß, dunkel und hell, und er formt sie nach seinen kompromisslosen Vorstellungen. Angefangen mit der Rache an Veidt. In Karnak strahlt das Licht von der Tafel aus, die das Röntgenbild von Veidts Schädel zeigt. Rorschach nimmt sich ein Skalpell, drückt Veidt an die Tafel und sagt: „I’m sorry. I … I saw the light too late.“ Daraufhin lässt Rorschach das Skalpell fallen. Er lässt sich, anders als sein Vorgänger, auf den Kompromiss ein, mit dem Massenmörder und Mörder seiner Eltern, gemeinsame Sache zu machen, um die Welt zu retten. Dafür hasst er sich, wie man in Doomsday Clock #3 gesehen hat, selbst.

Hat das Licht gesehen: Rorschach will sich an Veidt rächen.

Am Ende, als Jane Doe/Saturn Girl Reggie aus der Zelle befreit und wieder ein blaues Licht erstrahlt, wiederholt er das Zitat seines Vaters, aber diesmal in anderer Form: „We’re all searching for enlightenment. We’re drawn to it. Like bugs to a light.“ Sein Vater sei ein guter Mensch gewesen, der Menschen wie Kovacs geholfen habe, sie aus der Finsternis gezogen habe ins Licht. „But what is light? Different for everyone. But everyone looking. See what we want to see. No matter how small or big we are.“

Blaues Licht im Zeichen Manhattans: Der zweite Mückentod.

Das Licht der Aufklärung ist keines der Erleuchtung, sondern der Verblendung. Es kann tödlich sein wie das Feuer. Zum zweiten Mal wird eine Mücke verbrannt. Sie macht denselben Fehler ihres Vorgängers – wie auch Rorschach II. Kurz zuvor fällt das Foto von Jon Osterman und Janey Slater in die Zelle und der Rauch der toten Mücke bildet das Symbol von Dr. Manhattan. Damit wird deutlich, für wen das blaue Licht steht. Es hat schon einmal einen Rorschach das Leben gekostet. Es ist zu befürchten, dass die Suche nach Dr. Manhattan gefährlich werden könnte.

Ein Hauch des Todes: Verbrannte Mücke riecht nach Dr. Manhattan.

Im Schlusszitat von Linji Yixuan drückt sich einerseits Dr. Manhattans Bewunderung des Lebens, aber in einer anderen Deutung auch der Pessismismus von Watchmen aus:

„The miracle is not to walk on water. The miracle is to walk on earth.“

Es ist ein Wunder, auf der Erde zu wandeln. Oder anders gesagt: Es ist ein Wunder, überhaupt zu existieren. Aus pessimistischer Sicht: Es ist eine Höchstleistung, sich gegen die Widrigkeiten des Seins am Leben zu halten. Da das Letzte, was man sieht, die tote Mücke ist, leuchtet diese Sicht umso mehr ein. Aber auch hier zeigt sich: Das Zitat ist eine Kippfigur. Man liest darin, was man lesen möchte.

2 Gedanken zu “Doomsday Clock #4: Walk on Water

  1. Pingback: Doomsday Clock #5: There is No God | Watching the Watchmen

  2. Pingback: Doomsday Clock #7: Blind Spot | Watching the Watchmen

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