Doomsday Clock #6: Truly Laugh

DC Comics

Unter vielen Marionetten, die Nite Owl, den Teufel, eine Hexe, Nixon und den Tod darstellen, hängt eine Clownspuppe. Sie wird zum Vorbild für Erika Manson, zur Schurkin „Marionette“ zu werden. In Doomsday Clock #6 wird erzählt, wie es dazu kam. Ihr Vater war ein Marionettenmacher, der eine Bande dafür bezahlt hat, aus Europa in die USA einreisen zu dürfen, dann wird er von Polizisten um Schutzgeld erpresst. Die Zahlungen übergibt er in den Puppen. Doch es ist mehr, als er zahlen kann.

In den Captions greift der Joker die Puppen als Allegorie auf:

„If you look very closely, you might see the strings. They tug at our arms and legs, forcing us to walk into a life controlled by the powerful and established. Pulling against the powerful and established is always terrifying. But so is life as a puppet. They will always try to control you. Unless you cut your strings. And then cut the throats of everyone who held them …“

Freundin und Vorbild: Erika und die Marionette.

Jokers Monolog bezieht sich auf Marionette und Mime, die in Doomsday Clock #5 seine Leute niergemetzelt haben und für die er sich an ihnen rächen will. Aber er liest sich auch wie eine Antwort auf Dr. Manhattans „We’re all puppets, Laurie. I’m just a puppet who can see the strings.“ (Watchmen #9) Dem Joker zufolge ist man diesem Schicksal nicht ausgeliefert, sondern kann die Fäden in die eigenen Hände nehmen.

Joker spricht von Emanzipation: Erika wird zu Marionette.

Zeitgleich sprechen die korrupten Polizisten in Erikas Rückblende davon, dass ihr Boss Besitzansprüche an den Vater und seine Tochter stellt. Die beiden gelten als Sklaven. Die erste Seite zeigt bereits, wie die weinende Erika, die sich unter dem Ladentisch versteckt, sich in der Clownspuppe wiederfindet. Die Marionette rückt immer näher, so nah, dass ihre Fäden nicht mehr zu sehen sind. Sie wird zur Gefährtin, zum Vorbild und zum Ausweg für sie.

Die Marionette braucht eine Gefährtin: Erika wünscht sich Anne Bonny.

Als ihr Vater einmal eine Gefährtin machen will, wünscht sie sich Anne Bonny, eine Piratin der Karibik, die sich als Mann verkleidet hat, um unter Piraten leben zu dürfen, und zusammen mit ihrem Mann auf Raubzüge ging. Erika lernt Marcos Maez kennen, einen stummen Nachbarsjungen, dessen Eltern ein Glasgeschäft betreiben. Erika gewinnt seine Aufmerksamkeit mit einem Puppentheater. Später hilft ihr Marcos, als sie sich gegen Kinder wehrt, die sie mobben. Erikas Vater macht eine Pantomime-Puppe für ihn.

Nonverbale Kommunikation: Erika zeigt Marcos ihr Puppentheater.

In diesem Moment kommen die beiden Polizisten herein. Wir sehen die Szene von Seite 1 noch einmal, nur diesmal aus der Perspektive des Vaters, und wir sehen, wie sie zu Ende geht. Der Vater weigert sich zunächst, die Polizisten ergreifen seine Tochter und drohen ihm, ihr etwas anzutun. Dann sagt er ihnen, dass das Geld in der Nite-Owl-Puppe steckt. Später erhängt er sich. Als die Polizisten im Laden auftauchen, tötet Erika einen mit einer Schere, den anderen erwürgt sie mit Garn. Wieder hilft ihr Marcos dabei. Damit tut Erika genau das, was Joker anfangs über die Emanzipation sagte: Man müsse nicht nur die Fäden abschneiden, sondern auch denen die Kehle durchschneiden, die sie gehalten haben.

Die Marionette findet ihr Gegenstück in der Pantomime-Puppe.

Abgeschnitten von den Eltern beginnen Erika und Marcos ihre Karriere als Verbrecherpaar. Weil die Gesetzeshüter ihnen Unrecht getan haben, brechen sie mit dem Gesetz. Erika bekommt später im Gefängnis ein Kind und kaum ist die Nabelschnur durchtrennt, wird es ihr weggenommen. Daher will sie es jetzt wiederfinden.

Die Versammlung der Clowns

In der Gegenwart bringt der Joker Marionette und Mime zusammen mit dem bewusstlosen Batman zu einer verlassenen U-Bahn-Station. Als Marionette und Mime sich Jokers Bande anschließen und dafür ein Lächelns ins Gesicht tätowiert bekommen sollen, köpft sie einen Handlanger mit ihrem Draht und Mime sticht einem anderen die Augen aus. Der Joker verschont sie.

Die Folgen der Supermen-Theory: Krisensitzung der Schurken.

In der U-Bahn-Station kommen andere Superschurken zusammen, um zu beratschlagen, was sie angesichts der Metawesen-Krise tun sollen. Typhoon rechtfertigt sich gegen einen Verdacht: „I’m not some government puppet!“ Hier wird ausgesprochen, für was die Marionetten auch stehen: Für die Supermen-Theory, die besagt, dass Metawesen von der US-Regierung gemacht wurden und unter ihrem Einfluss stehen. Nicht nur die Unabhängigkeit der Helden steht auf dem Spiel, sondern auch die der Schurken.

Old habits die hard: Der Comedian macht Jagd auf Superschurken.

Der Comedian löst die Versammlung auf, indem er Typhoon erschießt und dann auf andere das Feuer eröffnet. Mime versucht, das Feuer auf sich zu lenken. Marionette flieht mit ihm in das Caribean Motel. (Ein weiterer Bezug zu Anne Bonnie und zu den Tales of the Black Freighter.) Mime will den Comedian ablenken, damit Marionette allein fliehen kann. Sie aber besteht darauf, zusammenzubleiben. „You’re the only thing that makes me smile in this dark place.“

Der Comedian findet sie bald und will, dass einer von ihnen ihm sagt, wo er Ozymandias findet. Der Joker knockt ihn daraufhin mit einem Elektroschock aus. „I like you two. You make me laugh“, sagt er. Marionette will vom Comedian erfahren, wo Dr. Manhattan ist. Der Joker steckt sich den Smiley-Button an. „It hurts when I smile“, sind seine letzten Worte. Lachen und Schmerz gehen nicht nur beim Joker Hand in Hand.

Komödianten unter sich: Joker, Marionette & Mime – und der Button des Comedian.

Das Lächeln oder Lachen ist neben den Puppen das zweite Leitmotiv in diesem Kapitel von Doomsday Clock. Kein Wunder, denn immerhin findet hier das Gipfeltreffen der selbsternannten Komödianten und Clowns von zweifelhaftem Ruf statt. Aber es hat noch mehr damit auf sich. Bereits von der jungen Erika sagen die anderen Kinder, sie würde immer lachen und wundern sich darüber. Lachen dient hier als Bewältigungsstrategie, es verbindet Marionette und Mime und dient ihnen, um das Wohlwollen des Jokers zu bekommen. Passenderweise wird zum Schluss Charlie Chaplin zitiert: „To truly laugh, you must be able to take your pain, and play with it.“

Ein Gedanke zu “Doomsday Clock #6: Truly Laugh

  1. Pingback: Doomsday Clock #7: Blind Spot | Watching the Watchmen

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