Doomsday Clock #7: Blind Spot

DC Comics

Eine blaue Motte auf der Green Lantern. Es ist Dr. Manhattan. Er erzählt aus dem Off die Geschichte der ersten Green Lantern, die einst Alan Scott fand: Im Jahr 960 fällt in China ein smaragdgrünes Metall vom Himmel. Eine Stimme prophezeit, erst Tod, dann Leben und dann Macht zu bringen. Der Finder macht aus dem Metall eine Lampe und stirbt, im April 1940 macht Edward Billings aus der Lampe eine Laterne und wird von seiner psychischen Krankheit geheilt, im Juli 1940 rettet die Laterne Alan Scott das Leben, als ein Zug von einer einstürzenden Brücke fällt. Später wird aus ihm Green Lantern.

Doch diesmal verläuft die Geschichte anders: Dr. Manhattan verschiebt die Laterne, sodass Scott nicht herankommt und stirbt. Die Lampe landet auf dem Schrott. Johnny Thunder findet sie in Pennsylvania (Doomsday Clock #6). Doch als er das Zauberwort („Cei-U“) spricht, kommt der Geist Thunderbolt nicht aus der Lampe. Stattdessen taucht Ozymandias mit dem Owl Ship auf. Es ist seltsam, dass Thunder das erwartet, weil die Lampe eigentlich nur eine Energiequelle für den Green Lantern-Ring ist.

Dr. Manhattan als Motte an der Green Lantern.

Das siebte Kapitel von Doomsday Clock ist eines für die ersten Erklärungen. Es folgen sehr viele. Für die Charaktere markiert die Mitte der Geschichte den typischen „Midpoint“ von Erzählungen, in denen sie wichtige Erkenntnisse gewinnen, die die Handlung in eine neue Richtung lenken. Dabei bleibt trotzdem das Ausmaß der Enthüllungen offen.

Alles wird gut: Saturn Girl zeigt sich optimistisch.

Zunächst gibt Saturn Girl mehr von ihrer Identität preis: Ihr Name sei Imra Ardeen, sie sei Telepathin und aus dem 30. Jahrhundert. Als Mitglied der Legion of Super-Heroes sei sie hergeschickt worden, um dabei zu helfen, den Zeitstrom von einer unbekannten Anomalie zu befreien, die Superman bedroht. Sie ist zuversichtlich: „Everything’s going to be fine.“

Katze als Kompass: Bubastis.

Bubastis ist ein Klon der ersten, die zusammen mit Dr. Manhattan desintegriert wurde (Watchmen #12). Die neue kann ihn wittern. Seine Duftmarke hängt an der Laterne. Die Spur führt zu Jokers Versteck, wo der Clown zusammen mit Marionette und Mime den Comedian foltern, um Dr. Manhattans Aufenthaltsort herauszufinden.

Im Zeichen des Lächelns: Joker und Comedian.

Eine Reihe von Desillusionierungen

Mit der Katze und der Laterne beschwört Ozymandias Jon herauf. Jon zieht einen Kreis um sich und die anderen fünf aus seinem Universum und teleportiert sich mit ihnen weg. Batman und Joker bleiben zurück. Ozymandias versucht Jon zu überzeugen, seine Welt zu retten. Aber der schlägt die Bitte aus: „I’m in the middle of something.“ Jon erklärt, dass er damals Marionette verschont habe, sondern weil er gesehen habe, was das Kind einmal tun werde. Dann sagt er ihr, dass sie wieder schwanger sei.

Dr. Manhattan bildet einen Kreis auf dem Schachbrettbogen.

Dann offenbart Jon, dass Ozymandias keinen Krebs habe. Rorschach will es nicht glauben, aber Ozymandias sagt: „You see what you want to see.“ Zum ersten Mal wird die wahre Bedeutung des Satzes, den er schon in Arkham zu sich gesagt hat, deutlich (Doomsday Clock #4). Ozymandias erklärt ihm, dass Walter Kovacs nie der Freund seines Vaters, Malcolm Long, gewesen sei, sondern dass Rorschach dessen positive Einstellung gebrochen und ihn zu einer leeren Hülle gemacht habe (Watchmen #6). Die Ehe der Eltern sei am Ende ruiniert gewesen. Byron habe diesen Teil der Geschichte vor ihm zurückgehalten. „Seeing-is-believing is a blind spot in man’s vision“, heißt es am Ende im Zitat von R. Buckminster Fuller. Aber der blinde Fleck betrifft jeden der Beteiligten, sogar Dr. Manhattan.

Als Ozymandias Jon fragt, warum er hier sei, antwortet dieser vage: Zuerst habe er gehofft, einen Platz unter ihnen (den Superhelden) zu finden, aber dann habe ihn eine Vision zurückgehalten. Der Hoffnungsvollste unter ihnen (Superman) habe seine Hoffnung verloren. Es werde zur Konfrontation mit Dr. Manhattan kommen. „And then … I saw nothing.“ Jon kann nicht mehr in die Zukunft sehen. Entweder weil sein Tod bevorsteht oder das Ende der Welt.

Reise ins Kino: Dr. Manhattan lässt Fiktion auf Wirklichkeit treffen.

Dr. Manhattan bringt  die Gruppe in ein Kino im Jahr 1954, wo gerade der Film The Adjournment beginnt: Zwei Männer spielen Schach und werden erschossen, bevor sie das Spiel beenden können. Dr. Manhattan sagt, bei den Dreharbeiten dabei gewesen zu sein, auch bei der Ermordung des Hauptdarstellers. „Carver Colman was once full of hope, too“, sagt er. „But I was wrong, Adrian. Everything ends.“ Mit dieser Revision seiner Behauptung aus Watchmen #12 („Nothing ever ends.“) ist das Gespräch beendet. Jon bringt die Gruppe zurück und verschwindet.

Joker bringt Rorschach das Lächeln bei – und Rorschach stirbt.

Rorschach schlägt Ozymandias, dann den Joker. Dieser schmiert ihm mit Blut ein Lächeln auf die Maske. „Rorschach is dead“, erklärt Reggie, wirft die Maske hin und verschwindet. Ein Unbekannter schickt Lois Lane ein Päckchen. Ozymandias kehrt aufs Owl Ship zurück. Als Saturn Girl seine Gedanken liest, ist sie schockiert: „No. That’s not supposed to happen. You can’t …“ Ozymandias knockt sie und Johny Thunder aus und erklärt, einen neuen Plan zu haben: „I realize I can save more than our world. I can save this one, too. I can save everything and everybody.“

Am Ende kehrt Dr. Manhattan auf den Mars zurück und fragt sich, ob Superman ihn zerstöre oder er selbst alles vernichte. Der Doppelmord am Anfang des Films könnte ein Hinweis darauf sein, dass am Ende beide sterben: Superman und Dr. Manhattan. Wie Privatdetektiv Nathaniel Dusk vermutet, ist aber nur einer das Ziel und der andere der Kollateralschaden. Tatsächlich wissen wir, dass Dr. Manhattan selbst schon Alan Scotts Tod zu verantworten hat. Er hat Carver Colman nicht gerettet und auch die Kents sind bereits in Kapitel eins gestorben.

Dr. Manhattan verschiebt Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett. Allerdings: Die Gruppe um Dr. Manhattan steht selbst auf einem kreisförmigen Schachbrettboden, als wären sie selbst Figuren in einem Spiel. Damit würde sich Dr. Manhattans Metapher bewahrheiten, dass selbst er nur eine Marionette sei.

Trotz der vielen Erklärungen bleibt vieles offen bis rätselhaft und auch ambig im Ausblick: Das Kapitel handelt zwar von Enttäuschungen und Desillusionierungen, aber es schwankt zwischen dem Pessimismus von Dr. Manhattan, der zu der Erkenntnis gelangt ist, dass alles endet, und dem Optimismus von Saturn Girl, die behauptet, alles werde gut ausgehen. Ozymandias′ Zuversicht stützt zwar die These, aber Saturn Girls Reaktion auf seinen Plan zeigt, dass er die Vorherbestimmung gefährdet. Zeitgleich spitzt sich die internationale Krise der Superhelden weiter zu …

3 Gedanken zu “Doomsday Clock #7: Blind Spot

  1. Pingback: Doomsday Clock #8: Save Humanity | Watching the Watchmen

  2. Pingback: Doomsday Clock #9: Crisis | Watching the Watchmen

  3. Pingback: Doomsday Clock #10: Action | Watching the Watchmen

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