Doomsday Clock #11: A Lifelong Mistake

DC Comics

Die Welt steht am Abgrund: Batman verhindert den Abschuss von Atomraketen, Wonder Woman kämpft gegen Giganta und Black Adam in New York, Putin fordert die US-Regierung auf, Superman auszuliefern. Inzwischen ist auch im Volk die Stimmung gegen Superman gekippt. In den Städten wird geplündert und randaliert, eine Menschenmenge protestiert vor der Hall of Justice gegen ihn, während er aus dem Koma erwacht. Soldaten fordern ihn auf, sich zu ergeben, doch er fliegt davon. Black Adam fällt über Washington her und verkündet den Beginn einer Revolution von Metawesen, um sich von der Unterdrückung zu befreien. Superman fliegt zu Dr. Manhattan und sie stehen sich erstmals gegenüber.

Bis auf diese weitere Zuspitzung der Krise passiert überwiegend wenig Substanzielles im elften Kapitel von Doomsday Clock. Zum einen, weil ein großer Teil darauf verschwendet wird, dass Lex Luthor und Ozymandias nacherzählen, was bisher geschah, zum anderen, weil nur wenig Mehrwert dabei herumkommt.

Zeit für noch mehr Erklärungen

Lex erklärt Lois, dass er auf eine Anomalie gestoßen ist, die von Dr. Manhattan ausgelöst wird und mit dem Verschwinden von Wally West zu tun hat (siehe DC Universe Rebirth #1). Lex hat auf der ganzen Welt Abzüge desselben Fotos gefunden, das Jonathan Osterman und Janey Slater auf dem Jahrmarkt zeigt. Auch wenn er die Personen auf dem Bild nicht kennt, weiß er, dass ein sehr mächtiges Wesen sie auf seinen Reisen durch die Zeit hinterlässt. Auch wenn Lois erstaunt ist, die Leser wissen das längst. Dr. Manhattan hat es in Doomsday Clock #10 erklärt. Die Tatsache, dass es mehrere dieser Fotos gibt, liefert für uns keine neuen Informationen.

Geschichte wiederholt sich: Ozymandias schaut gerne fern.

Ähnlich verhält es sich mit Ozymandias. Wie schon in Watchmen #11 sitzt er auch hier vor vielen Monitoren, die ihm das Chaos zeigen, das er angerichtet hat, wie schon damals erklärt er auch hier lang und breit seinen ersten Plan, der gescheitert ist, und dann seinen zweiten, den man sich denken kann: Er hat herausgefunden, dass in der Supermen-Theorie ein Fünkchen Wahrheit steckt und – um im Bild zu bleiben – den Konflikt um Firestorm geschürt. Die Explosion hat Ozymandias durch Bubastis auslösen lassen, auch wenn hier fraglich bleibt, wie er einer Katze eine so präzise Anweisung geben und sie diese ausführen konnte. Wie dem auch sei: Veidt hat die Spur zu Jon gelenkt, damit alle Metawesen der Welt im Kampf ausgelöscht werden. Die Welt soll zu Veidts Grab werden.

Auflösung und Stillstand

Saturn Girl und Johnny Thunder sind immer noch seine Gefangenen und auch sie tragen nichts zur Story bei: Saturn Girl löst sich in Luft auf, nachdem sie einsieht, dass sich Superman nicht mehr an sie errinnert. Sie wird aus der Zeitlinie getilgt. Nur ihr Legion-Ring bleibt zurück. Johnny sitzt nur neben seiner Green Lantern-Batterie und weint.

In Gotham befinden sich Marionette und Mime im Krieg gegen den Joker und enführen dabei den Comedian, aber auch das geschieht nur am Rande. Ozymandias erklärt, dass Jon damals Marionette verschont hat, weil er gesehen hat, dass sie ein Kind in sich trägt, das später von Laurie und Dan adoptiert werden wird. Anderswo bittet Alfred Reggie Long, ihm zu helfen, aber Reggie weist ihn zurück. Da helfen auch keine Pfannkuchen mehr.

Endlich: Superman trifft Dr. Manhattan.

„The stage is set“, sagt Ozymandias. Und tatsächlich scheint es so, als diente dieses Kapitel nur dazu, die letzten Vorbereitungen für das große Finale zu treffen, aber es sind nur viele kleine Schritte. Während einerseits sich die globale Krise verschärft und es zur Konfrontation kommt, die die Welt auslöschen könnte, herrscht andererseits lähmender Stillstand. Bei all den vielen Schauplätzen und Nebenhandlungen wird auch viel getrödelt. So wird etwa eine Seite darauf verwendet zu zeigen, wie Alfred Pancakes zubereitet. Das Problem ist aber: Während viel zu viel los ist, kommt die Haupthandlung kaum voran.

Ozymandias‘ Vorgehen erinnert nicht nur stark an Watchmen, auch für ihn als Charakter ist es ein Schritt zurück. Am Ende stellt sich alles als Manipulation heraus: Er hat Rorschach betrogen und ausgenutzt. Adrian Veidt kennt keine Reue, keine Skrupel mehr. War er in Watchmen sich noch zumindest des hohen Preises bewusst, den er für die Rettung der Welt zahlen musste, ist er hier bloß ein abgebrühter Schurke. Einsicht in Fehler gibt es keine – und daher auch keine Entwicklung. Geschichte wiederholt sich. Das immerhin war auch schon bei Watchmen der Fall.

Das Schlusszitat von James Joyce trifft es passend: „I am not afraid to make a mistake, even a great mistake, a lifelong mistake and perhaps as long as eternity too.“ Nur dass Ozymandias selbstbewusst denkt, keinen Fehler zu machen. Der Unterschied zu Watchmen besteht aber darin, dass es nicht zu spät ist, dass der Fehler korrigiert werden kann. Saturn Girl ist zuversichtlich, also können wir es auch sein. Denn während es im Watchmen-Universum alles hoffnungslos prädestiniert ist und die Helden verdammt sind, tatenlos dem Grauen zuzuschauen, herrscht im DC-Universum das Gesetz der immer wiederkehrenden Hoffnung.

Ein Gedanke zu “Doomsday Clock #11: A Lifelong Mistake

  1. Pingback: Doomsday Clock #12: Discouraged of Man | Watching the Watchmen

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