Watchmen 1.4: If You Don’t Like My Story, Write Your Own

„Freshest in Oklahoma“: Die Clarks verkaufen Eier – ohne Erfolg.

Es geht mal wieder um Eier. Diesmal in einem mehrfachen Sinn. Als zu Beginn der Episode das Watchmen-Logo erscheint, wird eine Eierschale aufgeschlagen. Dann sehen wir das Ehepaar Clark, das eine Farm betreibt und Eier an der Straße verkauft – „freshest in Oklahoma“, lautet der Werbespruch, doch das Geschäft läuft offenbar nicht gut. Am Ende des Tages gehen nur Eier zu Bruch. Trotzdem scheinen die Clarks eine glückliche Beziehung zu führen, sie sind „Islands in the Stream“, wie es in dem Song dazu heißt. Allerdings sind sie kinderlos, weil, wie man gleich erfahren wird, die Eizellen der Frau untauglich sind.

Dann erscheint nachts eine Frau, Lady Trieu, eine Billionärin, die in der Nähe eine große Uhr gebaut hat. Sie macht den Clarks ein Angebot, das sie nur schwer ablehnen können: Sie will ihr Grundstück erwerben. Die Clarks wollen zunächst nicht verkaufen. „Legacy is a big deal“, sagt Lady Trieu und stellt klar: „Legacy isn’t in land, it’s in blood.“ Ohne ein Kind haben die Clarks kein Vermächtnis, ihre Familie wird aussterben.

Trieu bietet ihnen ein Kind an – ihr eigenes, das Trieu bereits aus der DNA der Clarks geschaffen hat. Das Paar hat nicht einmal drei Minuten Zeit, sich zu entscheiden. Eine unfassbar übergriffige Handlung und Zumutung. Doch sobald das Paar das Kind in Händen hält, unterschreiben sie, ohne den Vertrag zu lesen. Kurz darauf landet etwas Glühendes auf ihrem Grundstück. Die Analogie zu Superman ist offensichtlich, auch wegen des Namens Clark.

Eichel statt Ei: Sister Night im Greenwood Centre. (HBO)

Um ein Famlienvermächtnis geht es auch bei Angela Abar. Sie findet im Greenwood Centre heraus, dass Will Reeves ihr Großvater ist und dass er ein Überlebender des Massakers von Tulsa 1922 ist. Sie zerstört daraufhin alle Beweismittel, entledigt sich des Rollstuhls, indem sie die zersägten Teile auf einen fahrenden Güterzug wirft. Dabei wird sie von einem Unbekannten im silbernen Ganzkörperanzug gesehen. Sie verfolgt ihn, er verschwindet dank Gleitmittel in der Kanalisation. „Lube Man“, heißt er, wie man später erfährt. Wer das ist, bleibt unklar, denn die Figur taucht nie wieder auf. In Peteypedia wird jedoch der Eindruck erweckt, dass es sich um FBI-Agent Petey handelt.

Dem Tod geweiht

Eine ganz andere Art der Fortpflanzung führt Adrian Veidt vor: Er holt Föten aus einem Teich und lässt sie in einer Maschine zu neuen Klonen von Mr. Phillips und Ms. Crookshanks heranwachsen. Dann katapultiert er sie  in den Himmel, wo sie spurlos zu verschwinden scheinen (tatsächlich aber im All sterben, wie man später erfährt). Der Geburtshelfer ist zugleich der Mörder. Das Leben der Klone ist nicht nur ein Dienst bis in den Tod, sondern auch einer zum Tode. Sie dienen Veidt als Leichen.

Ähnlich vergänglich sind auch die Squids, die vom Himmel fallen, nur dass ihr Tod sinnlos erscheint. Wade Tillman (Looking Glass) reflektiert in seinem Schutzbunker über die Tiere: „Poor bastards rained down on us from another dimension, propably just as confused as we are. Thirty seconds alive. And they spend all of it dyin’.“ Das Erbe des Monsters, das 1985 nach New York teleportiert wurde und den Tod von drei Millionen Menschen verursacht hat, ist das Massensterben vieler weiterer Miniaturausgaben seiner selbst – und ein tiefgehendes Trauma der Menschen, wie bei Wade.

Dass der Tod eine Sackgasse ist, erklärt Cal seinen Kindern: Menschen kommen aus dem Nichts und gehen wieder ins Nichts zurück, wenn sie sterben. Dieser Materialismus lässt das Vermächtnis in Form von Nachwuchs zwar wichtiger erscheinen, zugleich aber zeigt er in diesem Kontext die Vergeblichkeit allen Seins.  „It’s the truth“, sagt Cal, als er sich vor Angela für diese harte Lektion rechtfertigt. Sie hingegen lügt ihre Kinder über ihren Job als Polizistin an.

Traumata und Masken

Eine andere Form des Vermächtnisses spricht Laurie an: „People who wear masks are driven by trauma. They’re obsessed with justice because of some injustice they suffered usually when they were kids. Ergo the mask, it hides the pain.“

Angelas Trauma ist der Verlust ihrer Eltern. Lauries Trauma ist ihre Entstehung: Agent Petey erzählt daraufhin, dass Blakes Eltern der Comedian und Silk Spectre waren, und dass dieser versucht hat, sie zu vergwaltigen (Watchmen #2). Laurie spricht zuvor von einem „thermodynamic miracle“, einer wissenschaftlichen Art zu sagen: „it’s all connected“, bzw. einem sehr unwahrscheinlichen Zufall. Damit zitiert sie Dr. Manhattan, der Lauries Geburt als ein solches bezeichnet hat (Watchmen #9). Die Einsicht in das „Wunder“ ist es, das ihn vom Mars wieder auf die Erde zurückkehren lässt.

Am Ende verbinden sich die Erzählstränge von Lady Trieu und William Reeves, als sich herasstellt, dass sie zusammenarbeiten. Bei beiden geht es um die Familie: Lady Trieu hat eine Tochter, die tatsächlich ihre Mutter ist, Will will Angela ein Geheimnis offenbaren und befürchtet, dass sie ihn dafür hassen wird. Beide benutzen dazu, wie später klar wird, die Erinnerungspillen Nostalgia – angedeutet durch das Elefanten-Teeservice.

>> Alle Watchmen-Episoden

3 Gedanken zu “Watchmen 1.4: If You Don’t Like My Story, Write Your Own

  1. Pingback: Watchmen 1.5: Little Fear of Lightning | Watching the Watchmen

  2. Pingback: Watchmen 1.7: An Almost Religious Awe | Watching the Watchmen

  3. Pingback: Watchmen 1.8: A God Walks into Abar | Watching the Watchmen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s