Watchmen 1.1: It’s Summer and We’re Running Out of Ice

HBO

Zehn Jahre nach Zack Snyders Watchmen-Film hat Daniel Lindelof den Stoff als TV-Serie für HBO adaptiert. Lindelof war bereits für wegweisende Serien wie Lost und The Leftovers verantwortlich und hat an Drehbüchern zu Prometheus und Star Trek Into Darkness mitgewirkt.

HBOs Watchmen soll nach Lindelofs Worten ein Remix sein. Und was damit gemeint ist, wird schon in der ersten Folge deutlich. Es ist nicht nur eine Fortsetzung, sondern es finden sich dort auch viele Motive aus der Comicvorlage wieder, die neu angeordnet werden.

Wie schon der Comic ist die Serie angelegt in der Gegenwart. Spielte der das Original 1985, ist es jetzt 2019. US-Präsident ist jetzt Robert Redford. Der Schauplatz ist statt New York die Stadt Tulsa in Oklahoma. „The Future is Bright“, verkündet ein Schildträger, aber das scheint nur an der Oberfläche zu sein. Der Frieden ist fragil.

Adrian Veidts falsches Alien, der „Space Squid“, ist nicht als Betrug aufgeflogen, auch wenn Verschwörungstheoretiker davon ausgehen, dass alles nur von der Regierung inszeniert war. In der Schule lernt man die Anatomie der „Squids“. Hin und wieder regnet es kleine „Squids“, die aber Menschen nicht weiter beschäftigen. Sie werden einfach nur von den Windschutzscheiben der Autos gewischt und lösen sich von selbst auf. Allerdings ist später auf einer Zeitungsseite zu lesen, dass einer dieser „squid showers“ zwei Obdachlose getötet hat.

Größtes gesellschaftliches Problem: Rassismus

Statt des drohenden Dritten Weltkriegs, der das Ende der Welt bedeuten könnte, verhandelt die Serie ein innenpolitisches Problem, das die Menschen bis heute spaltet: den Rassismus. Die Polizei von Tulsa kämpft gegen die Seventh Kavalry, eine Gruppe von Rassisten (white supremacists), die Rorschach-Masken tragen und meinen, nach dessen Vorbild zu leben. So zitieren sie bei ihren Versammlungen etwa aus seinem Tagebuch, das wohl vom rechten Hetzblatt New Frontiersman publiziert worden ist: „Dog carcass in the highway last night …“, heißt es in einem Propaganda-Video. In der neuen Fassung sind es Huren und „race traitors“, die um Rettung schreien. „We are no one, we are everyone, and we are invisible.“

Die Seventh Kavalry hat in der White Night vor drei Jahren Polizisten ermordet. Seitdem sind ihre Mitglieder untergetaucht. Im Trailerpark „Nixonville“ sind die Rechten zuhause. Rechtsextreme wüten in New York: Die Freiheitsstatue musste nach Vandalismus durch den der Ku Klux Klan gesperrt werden.

Polizisten sind die neuen Vigilanten

Die neuen „Watchmen“ sind keine Superhelden, sondern Polizisten. Es ist die logische Weiterentwicklung des Keene-Acts von 1977: Polizisten greifen nun selbst zur Maske, um ihre Identitäten zu schützen. Sie treten im Dienst anonym auf, für ihr Zivilleben haben sie Tarnidentitäten. Ihr Waffeneinsatz ist streng limitiert. Er muss von Fall zu Fall beantragt und freigegeben werden, wenn eine unmittelbare Gefahr für ihr Leben besteht. Bei den Polizeiversammlungen stellt der Chief die zentrale titelgebende Frage: „Quis custodiet ipsos custodes?“ – Who watches the watchmen? Die Polizisten antworten unisono: „Nos custodimus!“ – Die Wächter bewachen sich selbst.

Die Detectives tragen keine Uniformen, sondern individuelle Kostüme. Die Hauptfigur ist Angela Abar alias Sister Night, die eine Art Nonnentracht trägt. Angela hat eine Tarnidentität als Bäckerin und zieht zusammen mit ihrem Mann Cal drei Kinder groß. Geboren wurde sie in Vietnam, das seit dem Ende des Krieges der 51. Staat der USA ist. Vor einer Schulklasse erzählt sie, dass sie früher Polizistin gewesen sei, bis sie bei der „White Night“ angegriffen wurde.

Begleitet wird sie von ihrem Kollegen  Looking Glass (Wade Tillman), der eine reflektierende Maske trägt.  Er führt Verhöre durch, bei denen er bestimmen kann, ob jemand lügt. Der Name Looking Glass wird dabei wörtlich genommen. Seine spiegelnde Maske ist ein „schauendes Glas“, eines das auf den Betrachter zurückschaut – eine deutliche Parallele zu den Mustern auf Rorschachs Maske. Nicht zufällig trägt er sie in der ersten Szene nur übers halbe Gesicht, und nicht zufällig sagt Polizeichef Judd Crawford zu ihm, er solle sich sein „Gesicht“ überziehen – so nennt auch Rorschach seine Maske in Watchmen.

Historisches Massaker von Tulsa

Die Handlung setzt ein mit einer Rückblende ins Jahr 1921. Will, ein schwarzer Junge, sieht sich im Kino einen Stummfilm über Bass Reeves an, den „Black Marshall of Oklahoma“, einen maskierten Rächer, der ebenfalls einen Stern trägt. Reeves bringt in der Filmszene einen weißen Sheriff zur Strecke, der Vieh gestohlen haben soll. Eine weiße Gemeinde kommt aus der Kirche und verlangt, den bösen Sheriff zu hängen. Aber Reeves entgegnet: „There will be no mob justice today. Trust in the law.“ Sein Vigilantismus steht im Dienste des Gesetzes.

Die Vorstellung wird von einer Explosion unterbrochen. Auf der Straße verübt der Ku Klux Klans ein Massaker an Schwarzen. Wills Vater bringt seinen Sohn in eine Kutsche mit schwarzen Flüchtlingen. Nachts findet er sich allein auf der Straße mit einem Baby wieder: Die anderen wurden ermordet. Das Tulsa-Massaker hat tatsächlich stattgefunden und ist das größte gegen Schwarze gerichtete Pogrom der USA. Nach Schätzungen wurden bis zu 300 Menschen getötet, davon wurden aber nur 56 bestätigt. Etwa 800 weitere sollen verletzt worden sein.

Polizeiarbeit im Zeichen der Eule

Im September 2019 wird Officer Sutton bei einer Autokontrolle von einem Anhänger der Seventh Kavalry erschossen. Sister Night entführt daraufhin einen Mann aus Nixonville, Looking Glass verhört ihn und schließlich foltert ihn Sister Night, bis er ihr verrät, wo sich der Mörder befindet. Nach ihrem Folter-Verhör sieht man, wie einst bei Rorschach, Blut und Wasser unter einer Tür hindurchfließen.

Die Spur führt zu einer Rinderfarm. Dort werden die Polizisten schwer beschossen. Als sie ins Haus eindringen, schlucken zwei Mitglieder der Seventh Kavalry Selbstmordpillen. Die Szene erinnert an die Sequenz aus Watchmen #5, in der Adrian Veidt seinem Attentäter eine solche Kapsel in den Mund steckt, aber so tut, als hätte dieser sie selbst genommen. Crawford fliegt in einem „Owl Ship“. (Bereits zuvor sieht man eine Eulentasse und ein Exemplar von Hollis Masons Under the Hood in seinem Büro.)

Die Familie Abar pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu der von Polizeichef Crawford. Nach einem gemeinsamen Essen findet Angela ihren Chef tot an einem Strick hängen. Blut tropft auf sein Polizeiabzeichen, wie einst auf den Button des Comedian. Daneben sitzt der alte Will in seinem Rollstuhl und behauptet, er habe Crawford selbst erhängt.

Ozymandias ist gefangen

Adrian Veidt (Jeremy Irons) wird offiziell für tot erklärt, heißt es in der Zeitung. Tatsächlich lebt er in einem prächtigen Anwesen und schreibt ein Theaterstück, eine Tragödie „The Watchmaker’s Son“. Er lässt von seinen zwei Angestellten seinen Jahrestag feiern. Einer schenkt ihm eine alte Uhr. Wie sich später herausstellt, lebt Veidt dort nicht freiwillig, sondern ist gefangen.

Die Serie adaptiert sogar das Prinzip des Comics-im-Comic als Serie-in-Serie: American Hero Story erzählt die Geschichte der Minutemen im Fernsehen nach. Damit bewegt sich Watchmen in der Tradition von Twin Peaks, in der es mit der Soap „Invitation to Love“ ebenfalls eine Serie-in-der-Serie gibt, in der sich Ereignisse der Haupthandlung wiederspiegeln.

Der Titel  „It’s Summer and We’re Running Out of Ice“ stammt aus einem Lied des Oklahoma-Musical, das in der Folge gezeigt wird. Er deutet voraus: Es wird ein heißer Sommer werden, denn die Abkühlung fehlt.

Doomsday Clock #12: Discouraged of Man

DC Comics

Blut auf dem Superman-Logo. „I was wrong…“, denkt Dr. Manhattan. „Everything ends. Nothing lasts forever. Not hope. Not me.“ Nicht die einzige Wiederholung: Denn noch einmal rekapituliert er sein Leben, das Foto mit Janey Slater, seinen Unfall. Unzählige Male wurde das bereits in Watchmen und auch in Doomsday Clock erzählt: Alles wiederholt sich, das ist die übergreifende Konstante dieser Comics.

Als Superman und Dr. Manhattan sich gegenüberstehen, kommen Pozhar und die anderen Superhelden aus Russland (zusammen mit Geo-Force aus Markovia), um Superman für das Massaker auf dem Roten Platz (Doomsday Clock #8) zur Verantwortung zu ziehen. In dem Moment tauchen Black Adam und seine Verbündeten auf, um Superman in Kahndaq zu richten. Pozhar weigert sich, es kommt zum Kampf. Weitere Superhelden aus Australien und Israel kommen dazu. Superman kämpft allein gegen alle.

Gipfeltreffen blauer Götter: Superman und Dr. Manhattan.

Die Welt soll sich selbst zerstören

In Gotham bittet Alfred Reggie Long erneut um  Hilfe, um Ozymandias zu finden. Reggie weigert sich wieder und hält einen Abgesang auf die Welt:

„The world is drowning in hate and anger. Sides seperated by an anger-widening canyon of digital bile. Soon both factions will tumble off edge, falling into bottomless pit of liberal self-righteousness and outdated identity politics…hands clutching their weaponized phones, finding no olive branch to save them. Because neither side knows what that means anymore. Why not let this ugly world destroy itself…before we’re dragged down into the darkness with it?“

Sehen, was man sehen will: Reggie Long mit Rorschach-Maske.

Seine Beschreibung könnte man auch als Analyse unserer Gegenwart verstehen. Für Reggie ist die Welt ist verkommen, also soll sie an sich selbst zugrunde gehen. Er klingt wie einst sein Vater. Batman überzeugt ihn davon, dass er in der Maske von Rorschach das sehen kann, was er sehen will: Nicht den Mann, der seinen Vater und seine Familie zerstört hat, sondern etwas Positives. Das Prinzip, das ihn einst verblendet hat, wird gewendet ins Konstruktive.

Die dritte Möglichkeit der Finsternis

Dr. Manhattan erwartet sein Schicksal, Supermans Schlag gilt aber nicht ihm.

Ähnliches passiert im Kampf mit Superman. Menschen werden gefährdet. Allein Superman rettet sie. Er bittet Dr. Manhattan um Hilfe, aber dieser entscheidet sich wieder zum Nichtstun, weil es angeblich so vorherbestimmt ist. Er erklärt Superman, dass er, Jon, sein Leben immer wieder verändert und auch seine Eltern getötet hat. Doch statt Dr. Manhattan auszulöschen, verteidigt Superman ihn gegen Pozhar.

Superman weist Jon darauf hin, dass es zwischen den beiden Optionen, wer von ihnen beiden zerstört werde, auch eine dritte gebe. Er fragt ihn nach der Frau auf dem Bild, das er immer wieder reproduziert. Jon räumt ein, dass Janey ihm einst wichtig gewesen ist. „Maybe the darkness you see“, sagt Superman. „Maybe it takes everything you have to save your world.“ Dr. Manhattan sagt, er verstehe. „Everything ends.“ Und daraufhin lässt er alles in Finsternis versinken, zuletzt das Superman-Logo.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Superman versinkt in Finsternis.

Der Rest ist Schwärze, nur gerahmt vom Weiß der Seite: Es beginnt mit einem breiten schwarzen Panel (Seite 21). Es folgt eine ganze Seite in schwarz, dann ein Neuner-Raster in schwarz, schließlich taucht aus dem Dunkeln ein Licht auf: Der Planet Krypton explodiert im All, Kal-Els Rakete fliegt zur Erde und landet zu immer unterschiedlichen Zeiten, von der Steinzeit bis zur Zukunft.

Dr. Manhattan ordnet das Metaverse neu: Er lässt Kal-El als Superboy seine Eltern (die Kents) retten. Er rettet Alan Scott mit der Laterne das Leben. Die Justice Society of America existiert wieder, auch die Legion of Superheroes. Johnny Thunder erkennt, dass er Thunderbolt nicht mehr rufen muss, sondern er selbst Thunderbolt ist.

Alle wieder da: Superman bekommt Hilfe von zurückgekehrten Helden.

Eigenartigerweise ändert diese neue Vergangenheit nichts an der Gegenwart. Die wiederhergestellten Helden helfen Superman im Kampf gegen die anderen. Ein neues Multiversum entsteht: Earth-2, Earth-1 wird Earth-1985 und so weiter, Dr. Manhattan lässt sogar viele Jahre in die Zukunft blicken: Neue Krisen werden auf die Helden erwarten. Bruce Wayne wird eine Tochter bekommen. Aber in jedem Szenario wird Superman immer überleben. „Because hope is the north star of the Metaverse.“

Doomsday Clock zurückgesetzt

Im Epilog bringt Dr. Manhattan wieder die Charaktere aus dem Watchmen-Universum zusammen. Ozymandias erklärt, dass er alles so geplant und seine Hoffnung schon immer auf Superman gelegen habe. Der Comedian schießt auf Ozymandias, Lex Luthor bringt den Comedian zurück in seine Welt, sodass dieser seinen Fall aus Watchmen #1 fortsetzt. Reggie Long benutzt seine Rorschach-Maske, um Ozymandias‘ Blutung zu stoppen, damit er vor Gericht gebracht werden kann. Dr. Manhattan rettet Carver Colman das Leben, dieser outet sich als schwul, tritt für Homosexuellenrechte ein und stirbt 2005 an der Seite seines Partners.

Watchmen, assemble: Dr. Manhattan mit alten Weggefährten.

Marionette und Mime bekommen ihren versprochenen Sohn nicht wieder, Dr. Manhattan vertröstet sie mit ihrer neuen Tochter, womit sie sich eigenartigerweise zufrieden geben. Dr. Manhattan zieht den Sohn einige Jahre groß, überträgt seine letzte Kraft auf den Jungen und schickt ihn zur Familie Hollis, also zu Daniel Dreiberg (Nite Owl) und Laurie Jupiter (Silk Spectre II), die bereits eine Tochter, Sally, haben. Der Junge nennt sich Clark und hat ein Wasserstoff-Symbol auf der Stirn. Dr. Manhattan ist verschwunden, aber in neuer Form wieder da.

Das letzte Wort hat der bengalische Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore: „Every child comes with the message that God is not yet discouraged of man.“ Wie Rorschachs Maske wird der Titel der Ausgabe, „Discouraged of Man“, durch das ganze Zitat ins Positive gewendet. Das Kind wird zum Symbolträger der Hoffnung.

Die Welt der Watchmen ist eine bessere geworden: Dr. Manhattan hat mit seiner letzten Kraft auch neues Leben geschaffen (mutmaßlich in der Wüste von New York) und alle Atomwaffen verschwinden lassen. Die Menschen ziehen in Friedensmärschen durch fast alle großen Städte der Welt und fordern, keine neuen Atomwaffen mehr zu bauen. Die „Doomsday Clock“ wird zurückgesetzt.

Fazit: Ein Comic für alle?

Doomsday Clock bringt nicht nur die Welt von Watchmen mit dem DC-Universum zusammen, sondern unterwirft mit diesem versöhnlichen Finale auch Watchmen den Gesetzen des DC-Universums. Während Watchmen von einem konsequent zynischen und pessimistischen Grundton geprägt ist, von Determinismus und Fatalismus, von der Ewigen Wiederkehr, wird all das in Doomsday Clock durch eine optimistische Hoffnungsbotschaft ersetzt. Der weltentrückte und tatenlose Dr. Manhattan findet seinen Widerpart in einem handlungsorientierten Superman, der die Welt, das Leben und die Menschen nie aufgibt. Superman vollbringt das Unmögliche: Er bewegt den unbewegten Beweger. Der Gott der Vernichtung wird zum neuen Schöpfer.

Dadurch wird das versöhnliche Ende zu einem zwanghaften „Alles ist gut“. Alle bekommen, was sie verdienen: Die Guten werden belohnt, der Schurke bestraft. Jeder findet aus der Lüge in die Wahrheit. Sogar die Toten (Carver Colman) finden ins Leben zurück, das natürlich ebenfalls erfüllt ist.

Jeder gegen jeden: Superhelden kämpfen in Washington.

Bei all dem kann man leicht übersehen, dass einige Handlungsstränge im Nichts verlaufen: Im Grunde erfüllen die neuen Figuren Marionette und Mime kaum eine Funktion, auch der Comedian nicht, und die Konfrontation dieser drei mit dem Joker erscheint im Rückblick mehr als ein Gag ohne Pointe. Zum Schluss sieht man Marionette und Mime in einem angedeuteten Bandenkrieg mit dem Joker bloß sinnlos durch die Stadt rasen, während der Comedian auf dem Rücksitz liegt. Statt nach ihrem Sohn zu suchen, amüsieren sie sich bloß.

Auch Reggie Long wird nach seiner kurzen Vorstellung als Rorschach II in einer narrativen Sackgasse geparkt, versinkt in Resignation und wird zweimal von Alfred um Hilfe gebeten, um dann von Batman wieder aus der Dunkelheit ins Licht geführt werden. Aber die Tatsache, dass er am Ende Ozymandias aufspürt, spielt für die Geschichte keine Rolle, weil am Ende ohnehin Dr. Manhattan alle an einem Ort versammelt. Reggie darf am Ende nur eins tun: Ozymandias das Leben retten, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Es bleibt der Eindruck zurück, dass es nur darum gegangen ist, jemanden die schwarz-weiße Maske tragen zu lassen, weil der erste Rorschach tot ist. Reggie ist nichts als ein Bauernopfer – wenn auch kein uninteressanter Charakter. Aber am Ende verschenktes Potenzial.

Superman als Zentrum des Metaverse

Im Mittelpunkt steht Superman, obwohl es bis zur Hälfte gar nicht seine Geschichte ist. Er wird nicht nur zum ultimativen Hoffnungssymbol überhöht, sondern auch zum Zentrum des Multiversums gemacht. Weil er der erste Superheld ist, richten sich das Metaverse und alle Parallelwelten stets nach ihm. Acht Jahrzehnte nach seiner Entstehung betreibt DC mit dieser Figur anscheinend nichts als Heiligenverehrung, statt aus ihm endlich (wieder) einen interessanten Charakter zu machen.

Am Ende bleibt der Eindruck zurück, dass die Fusion von Watchmen mit dem DC-Universum nur zum Zweck diente, letzteres auf einer Meta-Ebene zu erklären und neu zu ordnen. Das wurde bereits in Doomsday Clock #11 deutlich, als sich nach der Metaverse-Erklärung in Ausgabe #10 narrativer Leerlauf einstellte. In der letzten Ausgabe wird zwar alles erklärt und zu Ende gebracht, aber das nur zu dem Zweck, wieder einen Status quo herzustellen, der nach einigen Umwälzungen der letzten Jahre im DC-Universum verloren gegangen ist. Das neue Multiversum ist im Grunde ein altes. Wer beim letzten Hausputz verloren gegangen ist, ist wieder da. Damit dürften vor allem angestammte Fans versöhnt sein.

Alles endet: Dr. Manhattan hat verstanden.

In Doomsday Clock versuchen Autor Geoff Johns und Zeichner Gary Frank, ihren Vorbildern Alan Moore und Dave Gibbons Tribut zu zollen. Das gelingt in sehr beeindruckender Weise. Entstanden ist ein weitgehend anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Werk. Stilistisch scheint es aber nur auf den ersten Blick nah dran zu sein. Watchmen war ein Comic, das innovativ und zeitlos war, weil es nicht gefällig sein wollte. Es zerlegte die Gesellschaft im Angesichts des Kalten Krieges und es ist bis heute aktuell in seiner Darstellung der Conditio humana, auch formal setzte es Maßstäbe fürs Medium. Doomsday Clock geht nicht über Watchmen hinaus, sondern tritt dahinter zurück. Es will ein Comic sein, das es allen recht macht. Das dürfte nicht im Geiste des Erfinders sein.

Doomsday Clock #11: A Lifelong Mistake

DC Comics

Die Welt steht am Abgrund: Batman verhindert den Abschuss von Atomraketen, Wonder Woman kämpft gegen Giganta und Black Adam in New York, Putin fordert die US-Regierung auf, Superman auszuliefern. Inzwischen ist auch im Volk die Stimmung gegen Superman gekippt. In den Städten wird geplündert und randaliert, eine Menschenmenge protestiert vor der Hall of Justice gegen ihn, während er aus dem Koma erwacht. Soldaten fordern ihn auf, sich zu ergeben, doch er fliegt davon. Black Adam fällt über Washington her und verkündet den Beginn einer Revolution von Metawesen, um sich von der Unterdrückung zu befreien. Superman fliegt zu Dr. Manhattan und sie stehen sich erstmals gegenüber.

Bis auf diese weitere Zuspitzung der Krise passiert überwiegend wenig Substanzielles im elften Kapitel von Doomsday Clock. Zum einen, weil ein großer Teil darauf verschwendet wird, dass Lex Luthor und Ozymandias nacherzählen, was bisher geschah, zum anderen, weil nur wenig Mehrwert dabei herumkommt.

Zeit für noch mehr Erklärungen

Lex erklärt Lois, dass er auf eine Anomalie gestoßen ist, die von Dr. Manhattan ausgelöst wird und mit dem Verschwinden von Wally West zu tun hat (siehe DC Universe Rebirth #1). Lex hat auf der ganzen Welt Abzüge desselben Fotos gefunden, das Jonathan Osterman und Janey Slater auf dem Jahrmarkt zeigt. Auch wenn er die Personen auf dem Bild nicht kennt, weiß er, dass ein sehr mächtiges Wesen sie auf seinen Reisen durch die Zeit hinterlässt. Auch wenn Lois erstaunt ist, die Leser wissen das längst. Dr. Manhattan hat es in Doomsday Clock #10 erklärt. Die Tatsache, dass es mehrere dieser Fotos gibt, liefert für uns keine neuen Informationen.

Geschichte wiederholt sich: Ozymandias schaut gerne fern.

Ähnlich verhält es sich mit Ozymandias. Wie schon in Watchmen #11 sitzt er auch hier vor vielen Monitoren, die ihm das Chaos zeigen, das er angerichtet hat, wie schon damals erklärt er auch hier lang und breit seinen ersten Plan, der gescheitert ist, und dann seinen zweiten, den man sich denken kann: Er hat herausgefunden, dass in der Supermen-Theorie ein Fünkchen Wahrheit steckt und – um im Bild zu bleiben – den Konflikt um Firestorm geschürt. Die Explosion hat Ozymandias durch Bubastis auslösen lassen, auch wenn hier fraglich bleibt, wie er einer Katze eine so präzise Anweisung geben und sie diese ausführen konnte. Wie dem auch sei: Veidt hat die Spur zu Jon gelenkt, damit alle Metawesen der Welt im Kampf ausgelöscht werden. Die Welt soll zu Veidts Grab werden.

Auflösung und Stillstand

Saturn Girl und Johnny Thunder sind immer noch seine Gefangenen und auch sie tragen nichts zur Story bei: Saturn Girl löst sich in Luft auf, nachdem sie einsieht, dass sich Superman nicht mehr an sie errinnert. Sie wird aus der Zeitlinie getilgt. Nur ihr Legion-Ring bleibt zurück. Johnny sitzt nur neben seiner Green Lantern-Batterie und weint.

In Gotham befinden sich Marionette und Mime im Krieg gegen den Joker und enführen dabei den Comedian, aber auch das geschieht nur am Rande. Ozymandias erklärt, dass Jon damals Marionette verschont hat, weil er gesehen hat, dass sie ein Kind in sich trägt, das später von Laurie und Dan adoptiert werden wird. Anderswo bittet Alfred Reggie Long, ihm zu helfen, aber Reggie weist ihn zurück. Da helfen auch keine Pfannkuchen mehr.

Endlich: Superman trifft Dr. Manhattan.

„The stage is set“, sagt Ozymandias. Und tatsächlich scheint es so, als diente dieses Kapitel nur dazu, die letzten Vorbereitungen für das große Finale zu treffen, aber es sind nur viele kleine Schritte. Während einerseits sich die globale Krise verschärft und es zur Konfrontation kommt, die die Welt auslöschen könnte, herrscht andererseits lähmender Stillstand. Bei all den vielen Schauplätzen und Nebenhandlungen wird auch viel getrödelt. So wird etwa eine Seite darauf verwendet zu zeigen, wie Alfred Pancakes zubereitet. Das Problem ist aber: Während viel zu viel los ist, kommt die Haupthandlung kaum voran.

Ozymandias‘ Vorgehen erinnert nicht nur stark an Watchmen, auch für ihn als Charakter ist es ein Schritt zurück. Am Ende stellt sich alles als Manipulation heraus: Er hat Rorschach betrogen und ausgenutzt. Adrian Veidt kennt keine Reue, keine Skrupel mehr. War er in Watchmen sich noch zumindest des hohen Preises bewusst, den er für die Rettung der Welt zahlen musste, ist er hier bloß ein abgebrühter Schurke. Einsicht in Fehler gibt es keine – und daher auch keine Entwicklung. Geschichte wiederholt sich. Das immerhin war auch schon bei Watchmen der Fall.

Das Schlusszitat von James Joyce trifft es passend: „I am not afraid to make a mistake, even a great mistake, a lifelong mistake and perhaps as long as eternity too.“ Nur dass Ozymandias selbstbewusst denkt, keinen Fehler zu machen. Der Unterschied zu Watchmen besteht aber darin, dass es nicht zu spät ist, dass der Fehler korrigiert werden kann. Saturn Girl ist zuversichtlich, also können wir es auch sein. Denn während es im Watchmen-Universum alles hoffnungslos prädestiniert ist und die Helden verdammt sind, tatenlos dem Grauen zuzuschauen, herrscht im DC-Universum das Gesetz der immer wiederkehrenden Hoffnung.

Doomsday Clock #10: Action

DC Comics

Privatdetektiv Nathaniel Dusk (Carver Colman) liegt am Boden. Der Fuß seines Freundes und Polizisten Murray Abrahams auf ihm. Vor ihm liegt der König eines Schachspiels. Hinter ihm steht eine Frau, die sich auf der ersten Seite als Joyce herausgestellt hat, die Frau, die Dusk einst geliebt hat und die scheinbar von ihrem Mann, dem Gangster Costillino ermordet wurde. Nun muss Dusk feststellen, dass sein Freund der Mörder der beiden Schachspieler ist und mit sich mit Joyce gegen ihn verschworen hat.

„Did you ever love me?“, fragt er sie. Doch dieser dramatischste Moment wird unterbrochen durch die Realität: Dem Schauspieler Carver Colman ist der Text entfallen. Wir befinden uns nicht mehr im Film The Adjournment, sondern am Set. Es ist der 8. Juni 1954, der letzte Drehtag des Films, wie wir von Dr. Manhattan erfahren.

Action! Carver Colman zum letzten Mal als Nathaniel Dusk.

Colman ist nicht auf der Höhe. 13 Takes hat er für die Szene schon verbraucht. Er hat Kopfschmerzen. Sein Regisseur verliert die Geduld, will morgen weitermachen. Aber Colman will heute fertigwerden, weil er weiß (oder zumindest ahnt), dass er morgen sterben wird. Nach Drehschluss wird Colman von seiner Mutter in einer Bar aufgesucht. Sie erpresst ihn, seine wahre Herkunft der Öffentlichkeit preiszugeben.

Welt aus Glas: Nathaniel Dusk wehrt sich.

In der letzten Filmszene öffnet Dusk das Weihnachtsgeschenk von Joyce, das er vor ihrem scheinbaren Tod erhalten hat. Es ist eine gläserne Weltkugel darin. Joyce spielt damit auf Dusks Worte an, dass es sich mit ihr anfühle, als seien sie allein auf der Welt. Er benutzt die Kugel als Waffe gegen Murray. Sie zerbricht. Einerseits ist damit der nahende Weltuntergang in Doomsday Clock symbolisiert, andererseits erinnert sie an ein mehrmals verwendetes Symbol in Watchmen #9: Laurie Jupiter zerbricht zuerst die Schneekugel, dann den Nostalgia-Flakon und schließlich Jons gläserne Festung auf dem Mars. „Worlds live. Worlds die. Nothing lasts forever. Or does it?“, fragt sich Dr. Manhattan. Aus Jons „Nothing ever ends“ und „Everything ends“ ist nun eine Unschlüssigkeit geworden.

In der Folge erzählt Jon Carver Colmans Geschichte nach und erklärt seine Bedeutung für die Geschichte. Anders als der Held aus Tales of the Black Freighter ist nämlich nicht nur die Fiktion, der Film The Adjournment, von allegorischer Bedeutung, sondern auch der Schauspieler wird zu einer Figur in der Haupthandlung. Fiktion und Realität überschneiden sich. Davon handelt dieses Kapitel.

Carver Colman stammt aus Philadelphia, wo seine Mutter vor Männern tanzt und sich prostituiert. Als junger Mann flieht er nach Los Angeles, wird Bote in den Paramount Studios, verliert aber seinen Job und landet auf der Straße. Nachdem er von Polizisten geschlagen wird, erscheint Dr. Manhattan und hilft ihm. Einer der Polizisten stirbt. „Are you an angel?“, fragt Carver. Jon verneint. Später, als sie zusammen in einem Diner sitzen, fragt er: „Are you God?“

Jon ist aber alles andere als allmächtig. Er kann in dem Moment nicht in die Zukunft sehen. „I need something to focus on.“ Carver Colman wird für ihn zum Anker, um in die Zukunft schauen zu können. Er sieht, dass ein Jahr später ein Schauspieler aus ihm wird, noch später Nathaniel Dusk und schließlich Oscarpreisträger. Jon verrät ihm 1954, dass er bald sterben wird. Doch die Welt um ihn herum hat ebenfalls einen Anker.

Superman als Mittelpunkt des Multiversums

Action Comics werden wahr: Supermans erster Auftritt.

Es ist der 18. April 1938. Carvers Welt ist auch die Welt von Superman. An diesem Datum trat er zum ersten Mal öffentlich auf. (Es ist auch der Erscheinungstermin von Action Comics #1, der ersten Superman-Story.) Zuerst hört er davon im Radio: Ein geheimnisvoller Mann im Ringer-Kostüm und mit Cape soll ein Auto angehoben haben. Gemeint ist das grüne Auto vom ikonischen Coverbild von Action Comics #1.

Dr. Manhatten erkennt Superman als Zentrum des Multiversums.

Dr. Manhattan rekapituliert daraufhin die Helden, die kurz nach ihm kamen: Green Lantern (Alan Scott), Flash (Jay Garrick), Hawkman (Carter Hall), Atom (Al Pratt), Dr. Fate (Kent Nelson), Sandman (Wesley Dodds), Spectre (Jim Corrigan) und Hourman (Rex Tyler). Zusammen mit Johnny Thunder (Thunderbolt) bildeten sie die Justice Society of America. Das erste Superheldenteam.

Die Justice Society of America formiert sich.

Jon verschiebt die Ankunft Supermans auf 1956, dann auf 1986, dann noch einmal. Wir sehen die verschiedenen Superman-Origins aus den Comics im Laufe der Zeit, bis zur Version von The New 52 (2011). Und Jon stellt fest: Jedes Mal richtet sich die Geschichte nach diesem Ereignis aus. Superman wird zum Dreh- und Angelpunkt dieses Universums, das Zentrum des Multiversums ist. Jon nennt es das Metaverse:

„The Multiverse reacts to this universe. There habe been endless parallel worlds, non, fifty-two, dark multiverses, all created by changes to this universe. This universe stands apart from the multiverse. It is the Metaverse. And it is in a constant state of change.“

In der letzten Version sterben Supermans Eltern bei einem Autounfall (siehe Doomsday Clock #1). Diese Version scheint Jon am besten zu gefallen, weil er eine Nähe zu sich sieht: „Without his parents or the legion, Clark grows more distant from humanity. I understand him better. I relate to him more.“ Doch das Metaverse bemerkt Dr. Manhattans Manipulation, die er selbst Hybris nennt, und wehrt sich dagegen, bis schließlich Superman selbst Jon angreifen wird. „He has found me. And he destroys me. Or I destroy the Metaverse.“

Verschiedene Versionen derselben Geschichte: Supermans Origins im Wandel der Zeit.

Es läuft auf eine Konfrontation der Antipoden hinaus. „I am a being of inaction“, sagt er und spielt darauf an, dass er tatenlos dem Mord an Carver Colman durch dessen eigene Mutter zugesehen hat, ebenso wie 1971 in Vietnam, als der Comedian eine Schwangere erschoss. 1985 hat er Adrian davonkommen lassen. Jetzt sei Jon „on a collision course with a man of action.“

Bemerkenswert ist, dass Jon seine Manipulation des Metaverse anscheinend nicht als Handlung begreift. Jedenfalls nicht in einer Weise, die ihn moralisch beschäftigt. Für ihn scheint alles nur eine Art Experiment zu sein, dessen Ausgang er mit Neugier verfolgt. Dass seine Handlung Folgen hat, scheint auch Jon zu begreifen, als er feststellt: „To this universe of hope… I have become the villain.“ Daraufhin wacht Superman auf. „Every action has it’s pleasures and its price“, heißt es am Ende in einem Sokrates-Zitat. Wie hoch dieser ist, das weiß Jon selbst noch nicht.

„It’s not who wins or loses. It’s how you played the game“, lautet jedenfalls Nathaniel Dusks Moral von der Geschicht am Ende von The Adjournment. Wie die letzte Szene ausgeht, erfahren die Leser erst auf der letzten Seite, aber vollständig erst im Anhang auf den letzten Drehbuchseiten: Dusk hat den Fall längst gelöst und die Polizei gerufen. Murray schießt ihn an, aber Dusk überlebt. Murray und Joyce werden festgenommen.

Metaverse integriert Realität im Comic

Mit dem Konzept des Metaverse in Doomsday Clock #10 erklärt Autor Geoff Johns den Wandel des DC-Universums, das im Laufe von acht Jahrzehnten immer wieder verändert und neu geordnete wurde, in einer Metageschichte, die reale Publikationsgeschichte in eine Comic-Welt integriert. Was einst dem Zeitgeist, den Entscheidungen von Redakteuren und Autoren geschuldet war, wird nun zur Willkür eines übermächtigen Wesens, das Raum und Zeit manipuliert.

Das Metaverse wird zu dem erklärt, was es für die Comicleser immer schon war: das Zentrum eines komplexen Comicuniversums, das mit Superman, dem ersten Superhelden, seinen Mittelpunkt hat und sich ständig weiterentwickelt. Bereits in der Welt von Watchmen gibt es Superman, allerdings nur als Comicfigur. Der Zeitungsverkäufer Bernie spricht einmal von ihm, aber auch Hollis Mason lässt sich von Action Comics #1 dazu inspirieren, selbst zum kostümierten Helden zu werden.

Mit dem Metaverse wird nicht nur die Welt Watchmen ins DC-Universum integriert, sondern die Realität selbst.

Doomsday Clock #9: Crisis

DC Comics

Watchmen ist eine Geschichte über Ohnmacht. Sie handelt von Superhelden, die ihrem Namen nicht gerecht werden, weil sie das moralisch Falsche tun oder es nicht besser können, weil die Umstände es nicht zulassen. Und selbst wenn doch, dann können sie nicht handeln. Die Minutemen lösen sich auf, weil sie einsehen, dass sie nichts bewirken. Ihre Kostüme verleihen ihnen keine Kräfte, im Gegenteil: Am Beispiel Dollar Bill zeigt sich, dass ein Cape tödlich sein kann. Nite Owl gibt auf, weil er nach dem Erscheinen von Dr. Manhattan wie ein albernes Auslaufmodell wirkt. Der Comedian erteilt den Crimebusters eine Absage, weil Superhelden der wahren Herausforderung der Gegenwart und nahen Zukunft nicht gewachsen sind: der nuklearen Auslöschung. Ozymandias wird angesichts dessen zum Massenmörder, weil das immer noch das kleinere Übel gegenüber dem Weltuntergang darstellt. Am Ende muss aber selbst der nahezu allmächtige Dr. Manhattan den Rückzug antreten, weil er einsieht, dass er den Weltfrieden auch nicht anders sichern kann.

Watchmen-Vorbilder von Charlton: Blue Beetle, Captain Atom, Nightshade, Question.

Von Ohnmacht handelt auch Doomsday Clock #9. Nach der großen Desillusionierung von Ozymandias und Rorschach (Reggie Long, Doomsday Clock #7) sind nun die Helden des DC-Universums an der Reihe. Nachdem sie herausgefunden haben, dass Firestorms Explosion vom Mars ausgegangen ist, fliegen sie mit Raumschiffen dorthin und finden Dr. Manhattan vor, der auf sie wartet. Über ganze vier Seiten wird ihre Reise in großen Panels präsentiert, drei davon nehmen die Innenansichten der Raumschiffe ein: die Justice League, die New Gods, Green Lanterns, die Metal Men, die Justice League Dark, die Doom Patrol, die Batman Family und die Outsiders sind unterwegs. (In einem Panel sogar die Helden aus dem Hause Charlton, die Pate für Watchmen standen: Blue Beetle, Question, Nightshade und Captain Atom.)

Schurkenparade: Guy Gardner versucht, Dr. Manhattan zu beeindrucken.

Die beiden größten Helden, Superman und Batman, sind bewusstlos und erholen sich von ihren Verletzungen aus Moskau. Batman erwacht zuerst auf. Er bezweifelt, dass die anderen auf der richtigen Spur ist. Doch bis seine Nachricht den Mars erreicht, ist es zu spät: Das Großaufgebot der Helden konfrontiert Dr. Manhattan.

Genug geredet: Guy Garnder lässt Taten folgen.

Green Lantern Guy Gardner führt ihm eine Seite lang vor, wen sie bereits besiegt haben: Darkseid, den Anti-Monitor, Doomsday, Sinestro, Brainiac etc. Jon zeigt sich unbeeindruckt. Guy schlägt ihn. Zuerst denkt er, er habe Jon getötet, aber dann nimmt dieser Guy den Ring ab und zerstört ihn mühelos.

Die mächtigste Waffe des Universums ist machtlos.

Auch die Magie von Zatanna und Etrigan stellt er als nichtig adar:

„You all believe you’re wielding magic. I must perform a deeper analysis, but I see this power you harness is in reality the scraps of creation. Like random errors in computer code, discarded and forgotten…left to be picked up and used by those who also find themselves discarded and forgotten.“

Dr. Manhattan verwendet die Energie gegen die Helden selbst. Auch alle anderen Helden scheitern mit ihren Angriffen. Dr. Manhattan zeigt Firestorm (Ronnie Raymond), dass der Professor, der mit ihm verschmolzen ist, die Fusion verursacht hat, um ihn von innen heraus zu studieren. Warum, fragt Firestorm. „Even hope decays“, antwortet Jon im Sinne seiner neuen Überzeugung, dass alles einmal endet. Am Ende führt Captain Atom (Vorbild für Dr. Manhattan) eine Explosion herbei. Jon desintegriert, fügt sich aber sofort wieder zusammen und fragt die anderen: „What are you hoping to accomplish?“ Die Frage bleibt unbeantwortet. Die gesamte Sequenz wirkt sinnlos.

Das Original schlägt zurück: Captain Atom gegen Dr. Manhattan.

Auf der Erde bietet Lex Luthor Lois Lane seine Hilfe an. Er hat ihr die Wochenschau über die Justice Society of America geschickt, die aus der Geschichte getilgt wurde. Er weiß auch vom Verschwinden von Wally West. Sie misstraut ihm. Er gibt ihr eine Waffe als Vertrauensbeweis. Gleichzeitig hält Wonder Woman eine Rede vor den Vereinten Nationen gegen das herrschende Klima der Lügen, der Angst und des Extremismus. Sie erklärt, dass alle Beteiligten verantwortlich dafür seien. In dem Moment bricht Black Adam mit Giganta und Creeper durchs Dach und gefährden die Friedensbotschaft. Seneca kommentiert am Ende: „Wherever there is a human being, there is an opportunity for crisis.“

Der Titel „Crisis“ hat für die Geschichte mehrere Bedeutungen, denn im DC-Universum hat es bereits mehrere Events mit diesem Begriff im Titel gegeben: angefangen bei der Crisis on Infinite Earths (1985-1986), über die Identity Crisis (2004), die Infinite Crisis (2005-2006)  und Final Crisis (2008-2009) bis hin zu Heroes in Crisis (2018-2019). Auch deshalb führt Guy Gardner diese Retrospektive der Superschurken auf, gegen die sich die Helden bereits bewährt haben. Nun aber finden sie in Dr. Manhattan einen echten Gott, gegen den sie nicht ankommen. Ihre Kräfte sind wie ihre Bemühungen vergebens. Sie wirken so lächerlich wie einst die Minutemen und ihre Nachfolger im Paralleluniversum.

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 Doomsday Clock #9 Variant (DC Comics)

Das ist nichts als eine „Crisis“, eine Krise ohne Zusatz, denn es ist die ultimative Krise. Nicht nur des Superheldentums angesichts ihrer Ohnmacht, sondern auch auf der Erde: Während die Helden auf dem Mars gegen einen unbesiegbaren Gegner kämpfen, den sie nicht verstehen, der sie nicht angegriffen hat und für sie auch keine unmittelbare Bedrohung darstellt, nutzen die wahren Schurken auf der Erde die Gelegenheit aus, den fragilen Frieden zu gefährden und in einen Krieg umkippen zu lassen, während der Schurke Lex Luthor als Hoffnungsträger dasteht, weil er – neben Batman – als einziger zu begreifen scheint, was los ist.

Am Anfang des Kapitels erinnert Dr. Manhattan (beim Betrachten des Legion-Rings von Ferro Lad) noch einmal daran, dass diese Krise bald in der ultimativen Zerstörung enden könnte. Er sieht keine ferne Zukunft mehr, weil es keine geben könnte. Der Auslöser könnte sein anstehender Kampf mit Superman sein.

Doomsday Clock #8: Save Humanity

DC Comics

Ozymandias bricht im Weißen Haus ein. Im Oval Office nimmt er ein Dokument an sich. Seine Katze Bubastis liegt auf dem Teppich, auf einem Bild des US-Wappen-Adlers, gähnt und schläft ein.

Die Welt weiß es am Tag darauf. Der Daily Planet hat den Einbruch auf der Titelseite. Auch Lois Lane behauptet, jemand sei an ihrem Schreibtisch gewesen, aber Clark Kent kann nichts feststellen. Es sei bloß das übliche Chaos auf ihrem Schreibtisch.

Der neue Kalte Krieg um die Superhelden eskaliert: Firestorm dringt illegal in den russischen Luftraum ein, um sich gegen die Vorwürfe gegen ihn zu wehren, und liefert sich ein Gefecht mit seinem Gegenstück Pozhar, andere russische Helden versuchen ihn aufzuhalten. Als er in einer Menschenmenge auf dem Roten Platz in Moskau landet und ihm die Menschen zu Leibe rücken, verwandelt er sie unabsichtlich in Glas.

Firestorm verwandelt Russen in gläserne Bürger – buchstäblich.

Perry White will Lois und Clark nach Russland schicken. Aber Clark fliegt zunächst als Superman nach Kahndaq, weil er Firestorm dort vermutet. Black Adam  bestreitet das , aber er bietet Firestorm Asyl an. Superman findet Firestorm und ermutigt ihn, ein gläsernes Kind wieder zurückzuverwandeln. Nachdem das gelingt, fliegen beide zurück nach Moskau, um den Rest der Menschen zu retten.

Superman trifft Putin.

Dort richtet sich Präsident Putin an die USA und die Welt: Er behauptet, es seien Hunderte Russen getötet worden und kündigt an, Firestorm zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem beschuldigt er die USA, mit ihren Superhelden über Jahre hinweg eine geheime Armee geschaffen zu haben, die die Russen dazu gezwungen habe, mit ihnen gleichzuziehen. Es ist ein neues Wettrüsten im Gange.

Diplomatie am Ende: Der Konflikt auf dem Roten Platz eskaliert.

Als Superman auftaucht, kann er zunächst als Respektsperson vermiteln. Er sagt, der Vorfall mit Firestorm sei ein Unfall gewesen und könne wieder rückgängig gemacht werden. Batman will ihn per Funk davon abhalten, Partei zu ergreifen, aber Superman weist offiziell die Supermen-Theorie von sich. Putin bleibt bei seiner Version und als Firestorm auftaucht, eskaliert die Lage: Soldaten schießen, Querschläger treffen die gläsernen Menschen, weitere werden von Panzern zerstört, Superman wird von den russischen Helden angegriffen, er hält die Panzer auf. Schließlich setzt Firestorm eine Explosion frei, die die Menschen tötet. Batman findet heraus, dass nicht Firestorm aber nicht dafür verantwortlich ist.

Superman schützt Zivilisten. Das kommt nicht gut an.

DC Comics

Auf den Zeitungsseiten der Boulevardpresse im Anhang heißt es, das Vertrauen in Superman sei erschüttert. Er habe sich für die falsche Seite entschieden. Nur Perry White und Ron Troupe warnen im Daily Planet davor, voreilige Schlüsse zu ziehen: Man wisse nicht genau, was in Moskau passiert sei.

Ozymandias sieht der Eskalation auf seinen Bildschirmen zu und freut sich: „Yes. It begins.“ Das Variant Cover deutet an, was damit gemeint ist: Es zeigt die Hände von Ozymandias, die mit den Marionetten von Superman und Dr. Manhattan spielen. Letzterer schaut streng und deutet auf Superman. Die Kulisse ist der Mars, wo sich Dr. Manhattan bereits befindet. Er hat die Konfrontation bereits vorhergesehen (Doomsday Clock #7).

Dass Ozymandias nichts Gutes im Schilde führt, deutet sich am Ende an: „The urge to save humanity is almost always a false front for the urge to rule“, heißt es im Zitat des Autors und Journalisten H. L. Mencken.

Doomsday Clock #8 markiert eine große Wende in der Serie: Die Handlung fokussiert sich plötzlich stark auf Superman, der internationale Konflikt um die Supermen-Theory und Russland, der bisher nur im Hintergrund eine Rolle gespielt hat, tritt in den Vordergrund und treibt den Plot voran. Andere Watchmen-Charaktere oder auch Johnny Thunder oder Saturn Girl kommen nicht vor. Dadurch wirkt die Story sehr geradlinig und ihr fehlt das Überbordende der vielen parallel laufenden Handlungsstränge und Rückblenden.

Lois Lane entdeckt die Justice Society of America.

Nur kurz wird das große Ganze angedeutet: Lois Lane bekommt einen USB-Stick per Post geschickt. Darin ist eine Wochenschau aus dem Jahr 1941 zu sehen, in der von der Justice Society of America berichtet wird. Lois weiß aber nicht, wer das ist. Dieser Teil der Geschichte ist aus dem DC-Universum ausgelöscht, (unter anderem) weil Dr. Manhattan Alan Scott sterben ließ, der in einer anderen Welt zur ersten Green Lantern geworden ist.

Bemerkenswert ist auch, dass mit Putin ein Politiker aus der realen Welt im Comic vorkommt. Zwar passierte das in Watchmen auch mit Gorbatschow und Nixon, aber der russischen Staatschef wurde nie gezeigt und Nixon war 1985 längst nicht mehr im Amt. Interessanterweise wird der US-Präsident in Doomsday Clock nicht gezeigt, nur in Ausgabe #1 wird angedeutet, dass er gerne Golf spielt. Aber Trump zu zeigen, das hat sich Geoff Johns dann doch nicht getraut – ganz anders als Frank Miller, der ihn in Dark Knight III und Dark Knight Returns: The Golden Child gezeigt und zitiert hat. Vielleicht ist es auch nur der Unwille, diesem Politiker eine weitere Plattform zu geben.

Doomsday Clock #7: Blind Spot

DC Comics

Eine blaue Motte auf der Green Lantern. Es ist Dr. Manhattan. Er erzählt aus dem Off die Geschichte der ersten Green Lantern, die einst Alan Scott fand: Im Jahr 960 fällt in China ein smaragdgrünes Metall vom Himmel. Eine Stimme prophezeit, erst Tod, dann Leben und dann Macht zu bringen. Der Finder macht aus dem Metall eine Lampe und stirbt, im April 1940 macht Edward Billings aus der Lampe eine Laterne und wird von seiner psychischen Krankheit geheilt, im Juli 1940 rettet die Laterne Alan Scott das Leben, als ein Zug von einer einstürzenden Brücke fällt. Später wird aus ihm Green Lantern.

Doch diesmal verläuft die Geschichte anders: Dr. Manhattan verschiebt die Laterne, sodass Scott nicht herankommt und stirbt. Die Lampe landet auf dem Schrott. Johnny Thunder findet sie in Pennsylvania (Doomsday Clock #6). Doch als er das Zauberwort („Cei-U“) spricht, kommt der Geist Thunderbolt nicht aus der Lampe. Stattdessen taucht Ozymandias mit dem Owl Ship auf. Es ist seltsam, dass Thunder das erwartet, weil die Lampe eigentlich nur eine Energiequelle für den Green Lantern-Ring ist.

Dr. Manhattan als Motte an der Green Lantern.

Das siebte Kapitel von Doomsday Clock ist eines für die ersten Erklärungen. Es folgen sehr viele. Für die Charaktere markiert die Mitte der Geschichte den typischen „Midpoint“ von Erzählungen, in denen sie wichtige Erkenntnisse gewinnen, die die Handlung in eine neue Richtung lenken. Dabei bleibt trotzdem das Ausmaß der Enthüllungen offen.

Alles wird gut: Saturn Girl zeigt sich optimistisch.

Zunächst gibt Saturn Girl mehr von ihrer Identität preis: Ihr Name sei Imra Ardeen, sie sei Telepathin und aus dem 30. Jahrhundert. Als Mitglied der Legion of Super-Heroes sei sie hergeschickt worden, um dabei zu helfen, den Zeitstrom von einer unbekannten Anomalie zu befreien, die Superman bedroht. Sie ist zuversichtlich: „Everything’s going to be fine.“

Katze als Kompass: Bubastis.

Bubastis ist ein Klon der ersten, die zusammen mit Dr. Manhattan desintegriert wurde (Watchmen #12). Die neue kann ihn wittern. Seine Duftmarke hängt an der Laterne. Die Spur führt zu Jokers Versteck, wo der Clown zusammen mit Marionette und Mime den Comedian foltern, um Dr. Manhattans Aufenthaltsort herauszufinden.

Im Zeichen des Lächelns: Joker und Comedian.

Eine Reihe von Desillusionierungen

Mit der Katze und der Laterne beschwört Ozymandias Jon herauf. Jon zieht einen Kreis um sich und die anderen fünf aus seinem Universum und teleportiert sich mit ihnen weg. Batman und Joker bleiben zurück. Ozymandias versucht Jon zu überzeugen, seine Welt zu retten. Aber der schlägt die Bitte aus: „I’m in the middle of something.“ Jon erklärt, dass er damals Marionette verschont habe, sondern weil er gesehen habe, was das Kind einmal tun werde. Dann sagt er ihr, dass sie wieder schwanger sei.

Dr. Manhattan bildet einen Kreis auf dem Schachbrettbogen.

Dann offenbart Jon, dass Ozymandias keinen Krebs habe. Rorschach will es nicht glauben, aber Ozymandias sagt: „You see what you want to see.“ Zum ersten Mal wird die wahre Bedeutung des Satzes, den er schon in Arkham zu sich gesagt hat, deutlich (Doomsday Clock #4). Ozymandias erklärt ihm, dass Walter Kovacs nie der Freund seines Vaters, Malcolm Long, gewesen sei, sondern dass Rorschach dessen positive Einstellung gebrochen und ihn zu einer leeren Hülle gemacht habe (Watchmen #6). Die Ehe der Eltern sei am Ende ruiniert gewesen. Byron habe diesen Teil der Geschichte vor ihm zurückgehalten. „Seeing-is-believing is a blind spot in man’s vision“, heißt es am Ende im Zitat von R. Buckminster Fuller. Aber der blinde Fleck betrifft jeden der Beteiligten, sogar Dr. Manhattan.

Als Ozymandias Jon fragt, warum er hier sei, antwortet dieser vage: Zuerst habe er gehofft, einen Platz unter ihnen (den Superhelden) zu finden, aber dann habe ihn eine Vision zurückgehalten. Der Hoffnungsvollste unter ihnen (Superman) habe seine Hoffnung verloren. Es werde zur Konfrontation mit Dr. Manhattan kommen. „And then … I saw nothing.“ Jon kann nicht mehr in die Zukunft sehen. Entweder weil sein Tod bevorsteht oder das Ende der Welt.

Reise ins Kino: Dr. Manhattan lässt Fiktion auf Wirklichkeit treffen.

Dr. Manhattan bringt  die Gruppe in ein Kino im Jahr 1954, wo gerade der Film The Adjournment beginnt: Zwei Männer spielen Schach und werden erschossen, bevor sie das Spiel beenden können. Dr. Manhattan sagt, bei den Dreharbeiten dabei gewesen zu sein, auch bei der Ermordung des Hauptdarstellers. „Carver Colman was once full of hope, too“, sagt er. „But I was wrong, Adrian. Everything ends.“ Mit dieser Revision seiner Behauptung aus Watchmen #12 („Nothing ever ends.“) ist das Gespräch beendet. Jon bringt die Gruppe zurück und verschwindet.

Joker bringt Rorschach das Lächeln bei – und Rorschach stirbt.

Rorschach schlägt Ozymandias, dann den Joker. Dieser schmiert ihm mit Blut ein Lächeln auf die Maske. „Rorschach is dead“, erklärt Reggie, wirft die Maske hin und verschwindet. Ein Unbekannter schickt Lois Lane ein Päckchen. Ozymandias kehrt aufs Owl Ship zurück. Als Saturn Girl seine Gedanken liest, ist sie schockiert: „No. That’s not supposed to happen. You can’t …“ Ozymandias knockt sie und Johny Thunder aus und erklärt, einen neuen Plan zu haben: „I realize I can save more than our world. I can save this one, too. I can save everything and everybody.“

Am Ende kehrt Dr. Manhattan auf den Mars zurück und fragt sich, ob Superman ihn zerstöre oder er selbst alles vernichte. Der Doppelmord am Anfang des Films könnte ein Hinweis darauf sein, dass am Ende beide sterben: Superman und Dr. Manhattan. Wie Privatdetektiv Nathaniel Dusk vermutet, ist aber nur einer das Ziel und der andere der Kollateralschaden. Tatsächlich wissen wir, dass Dr. Manhattan selbst schon Alan Scotts Tod zu verantworten hat. Er hat Carver Colman nicht gerettet und auch die Kents sind bereits in Kapitel eins gestorben.

Dr. Manhattan verschiebt Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett. Allerdings: Die Gruppe um Dr. Manhattan steht selbst auf einem kreisförmigen Schachbrettboden, als wären sie selbst Figuren in einem Spiel. Damit würde sich Dr. Manhattans Metapher bewahrheiten, dass selbst er nur eine Marionette sei.

Trotz der vielen Erklärungen bleibt vieles offen bis rätselhaft und auch ambig im Ausblick: Das Kapitel handelt zwar von Enttäuschungen und Desillusionierungen, aber es schwankt zwischen dem Pessimismus von Dr. Manhattan, der zu der Erkenntnis gelangt ist, dass alles endet, und dem Optimismus von Saturn Girl, die behauptet, alles werde gut ausgehen. Ozymandias′ Zuversicht stützt zwar die These, aber Saturn Girls Reaktion auf seinen Plan zeigt, dass er die Vorherbestimmung gefährdet. Zeitgleich spitzt sich die internationale Krise der Superhelden weiter zu …